Donnerstag, 26. März 2009

Akt aufgetaucht - Zilk der "Informator":
"Fall Mittwoch" in Staatsarchiven entdeckt

  • Wurde aber dezidiert nicht als Agent bezeichnet
  • Koller im NEWS-Talk: "Ich bin zur Löwin geworden"
    IHR KOMMENTAR: Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Die Akte der Staatspolizei über Helmut Zilk, die nun teilweise aufgetaucht ist, bestätigt Kontakte des verstorbenen Wiener Altbürgermeisters mit dem tschechoslowakischen Geheimdienst. Darin wird Zilk nicht als Agent, aber als Gesprächspartner des Geheimdienstes StB bezeichnet. Dies sei Zilk bewusst gewesen, berichtete der ORF. Bundeskanzler Faymann lehnt eine Historikerkommission zur Causa Zilk ab.

Der Original-Stapo-Akt in Papier dürfte demnach vernichtet, jedoch auf Mikrofilm archiviert worden sein. Dieser ist nun im Staatsarchiv gefunden worden. Geführt wurde der Fall Zilk unter dem Namen "Mittwoch". Angelegt worden ist der Akt nach dem Prager Frühling 1968.

Nicht zum Schaden Österreichs
Dem Bericht zufolge soll Zilk den Wunsch geäußert haben, dass seine Mitteilungen nicht zum Schaden Österreichs verwendet werden sollten. Unter anderem soll er über Gespräche mit dem damaligen SPÖ-Vorsitzenden Bruno Kreisky berichtet haben.

Dem Geheimdienst soll Zilk wichtig gewesen sein und deswegen mit Samthandschuhen angefasst worden sein. Außerdem soll einer der Führungsoffiziere, Jiri Starek, nach dem Prager Frühling in Österreich geblieben sein und kurzfristig ein Büro im ORF bekommen haben, wo Zilk Programmdirektor war.

Historikerkommission
Bundeskanzler Faymann hält unterdessen auch nach dem Auftauchen neuer Fakten in der Affäre Zilk keine Historikerkommission oder ähnliches für notwendig. Wie er am Mittwochnachmittag betonte, seien die Vorwürfe der letzten Tage nicht neu und der frühere Wiener Bürgermeister habe zu Lebzeiten bereits dazu Stellung genommen. Diese Erklärungen seien aus seiner Sicht "völlig ausreichend" gewesen.

(apa/red)

26.3.2009 09:47
Verbesserer, 07. 05. '09 08:38
Wer war damals Innenminister?
Das ist die Folgewirkung, wenn Polizei und Justiz bis ins Innerste politisch eingefärbt sind, wie es bis zur "Wenderegierung" der Fall war.
wuffti, 26. 03. '09 13:29
Ostakten
Die Ostgeschichte war schlimm genug und ist Gott sei Dank vorbei. Was soll man noch in alten Akten wühlen. Ob Gauck-Behörde in Deutschland oder sonst irgendwelche verstaubte Akten, die in manchen Behörden herumliegen. Jede Person, die ein Visum für die DDR oder sonstigen Oststaaten beantragt hat, wird in diesen Akten geführt. Brief in den Osten wurden gelesen und abgespeichert. Briefe waren ein beliebtes Informationsmaterial und die Schreiber wurden in den Akten als Informanten "abgelegt". Lasst die Toten in Ruhe, die können sich nicht mehr wehren.
Der-Meidlinger, 26. 03. '09 14:04
Re: Ostakten
Nach meiner Auffassung hatte Helmut Zilk damals die Zeichen der Zeit erkannt und sich als Vermittler eingeschaltet, um den Reformprozeß zu beschleunigen. Ihm daraus einen Strick zu drehen mit haltlosen Unterstellungen finde ich - gelinde gesagt - eine bodenlose Frechheit des Magazin Profil.