Mittwoch, 25. März 2009

Zilk "politischer Berater, aber nicht Agent"?
Stapo-Akte soll nun doch aufgetaucht sein!

  • Entlastet? Wusste von Weitergabe an Geheimdienst
  • War Helmut Zilk IHRER MEINUNG nach ein Spion?

Der Fall Zilk wird immer ominöser. Nun sollen doch Teile der Akte Zilk entdeckt worden sein. Sie bestätigen Kontakte des verstorbenen Wiener Altbürgermeisters mit dem tschechoslowakischen Geheimdienst. Darin wird Zilk zwar nicht als Agent, aber als Gesprächspartner des Geheimdiensts StB bezeichnet. Ihm soll auch bewusst gewesen sein, dass seine Angaben dem Geheimdienst zur Verfügung stehen würden. Ob Geld geflossen ist, geht aus den Papieren nicht hervor.

Der Original-Stapo-Akt in Papier dürfte laut einem "Zeit im Bild"-Bericht vernichtet, jedoch auf Mikrofilm archiviert worden sein. Dieser ist nun im Staatsarchiv gefunden worden. Geführt wurde der Fall Zilk unter dem Namen "Mittwoch". Angelegt worden ist der Akt nach dem Prager Frühling 1968.

Dem Bericht zufolge soll Zilk den Wunsch geäußert haben, dass seine Mitteilungen nicht zum Schaden Österreichs verwendet werden sollten. Unter anderem soll er über Gespräche mit dem damaligen SPÖ-Vorsitzenden Bruno Kreisky berichtet haben.

Dem Geheimdienst soll Zilk wichtig gewesen sein und deswegen mit Samthandschuhen angefasst worden sein. Außerdem soll einer der Führungsoffiziere, Jiri Starek, nach dem Prager Frühling in Österreich geblieben sein und kurzfristig ein Büro im ORF bekommen haben, wo Zilk Programmdirektor war.

Bacher weiß nichts von ORF-Büro
Der ehemalige ORF-Generalintendant Gerd Bacher kann die Angaben in der teilweise aufgetauchten Stapo-Akte über Helmut Zilk, wonach der tschechoslowakische Führungsoffizier Jiri Starek nach dem Prager Frühling 1968 ein ORF-Büro bekommen habe, nicht bestätigen. Er wisse nichts davon, könne sich das aber auch nicht vorstellen, so Bacher.

Selbst wenn das - etwa aufgrund des sowjetischen Einmarsches in der CSSR - passiert sein sollte, hätte er das nicht erfahren. "Büros habe ich nicht vergeben", so der langjährige Freund Zilks. Er könne sich das aber nicht vorstellen, denn man habe damals im Sinne der österreichischen Neutralität besonders auf Objektivität Wert gelegt.

Zilk soll 60 Mal CSSR-Agenten getroffen haben
Zilk habe sich rund 60 Mal mit Agenten des Geheimdienstes der damals kommunistischen Tschechoslowakei (CSSR) getroffen, und es sei auch Geld geflossen, erklärte "profil"-Chefredakteur Herbert Lackner in der ORF-Sendung "Im Zentrum". "Ich kotze gleich", reagierte Dagmar Koller, die Witwe des im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Zilk. Was hier gemacht werde, sei "schmutziger Journalismus", attackierte Koller den Journalisten.

Faymann hält Erklärung für "ausreichend"
Bundeskanzler Werner Faymann hält auch nach dem Auftauchen neuer Fakten in der Affäre Zilk keine Historiker-Kommission oder ähnliches für notwendig. Wie er in einer Pressekonferenz nach dem Parteivorstand betonte, seien die Vorwürfe der letzten Tage nicht neu und der frühere Wiener Bürgermeister habe zu Lebzeiten bereits dazu Stellung genommen. Diese Erklärungen seien aus seiner Sicht "völlig ausreichend" gewesen.
(apa/red)

25.3.2009 22:56
sidestep, 25. 03. '09 16:20
Agent 007
Ach so nennt man Spione jetzt: Politischer Berater! Dann war 007 und die Mata Hari wohl auch politische Berater ha, ha, ha! Für wie dumm halten uns diese Leute eigentlich?
Gasowik, 25. 03. '09 14:37
Dumm
Ob Herr Zilk nun ein Spion war oder nicht, sei dahingestellt. Zu hinterfragen ist aber, wie ein so hochintelligenter Mensch offenbar Informationen welcher Art auch immer an den CSSR-Geheimdienst weitergeben und dafür materielle Gegenleistungen entgegengenommen hat, ohne sich der Brisanz oder besser gesagt Dummheit seines Verhaltens bewußt zu sein.
sidestep, 25. 03. '09 16:43
Re: Dumm
Liebe(r) Gasowik!

Das Schlimme dabei ist ja, dass Zilk offenbar ganz genau wußte was er tat, weil er diese Tätigkeit oder den Kontakt zum damaligen CSSR-Geheimdienst sonst zu Lebzeiten nicht so vehement bestritten hätte. Das macht nämlich nur jemand, der genau weiß, was er tut. Ein anderer, der reinen Gewissens ist, hätte gesagt - ja ich habe mit denen Kontakt gehabt und habe mir nicht dabei gedacht - alles klar?
witthans, 25. 03. '09 14:14
Akte Zilk; Agent für die CSSR
Eines steht jedenfalls fest, Zilk hat aus freiem Willen und für Geld Informationen an CSSR-Agenten weitergegeben. Dazu sollte man auch in SPÖ-Kreisen stehen und nicht so Wehleidig zu reagieren. Die SPÖ-Mandatare sollten sich doch einmal bei der Nase nehmen, wie man seinerzeit mit Waldheim umgegangen ist. Waldheim wurden Handlungen vorgeworfen, die er aus freiem Willen im Zuge seines Wehrdienstes nicht verhindern konnte, weil kein freier Wille in der Wehrmacht zugelassen worden ist, oder es erfolgte die Liquidation des Betroffenen. Die heutige Generation fühlt sich meist berufen über Dinge zu urteilen, von denen sie keinen Begriff haben, weil eben die Rahmenbedingungen damals völlig andere waren. Diese wären die ersten, die auch heute ihre Meinung anpassen würden, wenn es um ihren Kopf geht.