Die "Akte Zilk" ist noch nicht geschlossen:
Beweise für Spionageaktivität verschwunden
- Vermeintlicher Auftraggeber dementiert Zahlungen
- Innenministerin Fekter kündigt eine Untersuchung an
War Helmut Zilk IHRER MEINUNG nach ein Spion?

·Hitzige Debatte über
den "Agenten 00 Zilk"
profil-Enthüllung schlägt
derzeit hohe Wellen
·VIDEO: H. Lackner über die Causa Zilk
profil: Fakten, Reaktionen
und Zilks neues Image
·Spion Zilk bespitzelte
Kreisky, Klaus und Co.
Zilk war Informant des CSSR-Geheimdienstes
·Fekter: "Akten sind schon vernichtet"
Opposition fordert Aufklärung der Vorwürfe
·Die Akte Zilk aus den Jahren 1965 bis 1974
CSSR-Staatssicherheit:
Auszüge aus den Akten
·Historiker Karner für eine Expertengruppe
Zilk-Akten doch noch
in Österreich vorhanden
Der Fall Helmut Zilk bleibt mysteriös. Ein Akt über seine angebliche Tätigkeit als tschechoslowakischer Agent ist nicht nur im Innenministerium nicht mehr aufzufinden, auch im Staatsarchiv liegt nichts vor, wie zwei Tageszeitungen berichten. Innenministerin Fekter hat allerdings angekündigt, die Vorgänge um den Akt zu untersuchen.
Zu Wort gemeldet hat sich einer von Zilks vermeintlichen Führungsoffizieren, Ladislav Bittmann. In "Kurier" und "ZiB2" betont er, Zilk nie für einen Agenten gehalten und ihm nie Geld gegeben zu haben. Auch den früheren Innenministern Franz Soronics (ÖVP) und Franz Löschnak (SPÖ) ist nichts über eine Spionagetätigkeit des SPÖ-Politikers bekannt, wie sie betonten.
Innenministerin Fekter hatte in der Affäre um angebliche Spionage-Tätigkeiten des früheren Wiener Bürgermeisters festgehalten, dass "die Zilk-Akten vernichtet" worden seien - und zwar schon "Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre", wie sie im ORF-Radio sagte. Inzwischen kündigte sie jedoch an, dass das Innenministerium die Vorgänge um den Zilk-Akt genau untersuchen werde. Es ist laut Fekter z. B. unbekannt, wer in den Neunzigern den Zilk-Akt im Staatsarchiv ausgehoben hat und wo dieser verblieben ist.
Klar ist laut Fekter, dass es entgegen anderslautenden Gerüchten in der Politischen Akademie und im Vogelsang-Institut keine Dokumente zu Zilk gegeben habe bzw. gibt. Wo die Papiere also verblieben sind, werde untersucht.
Faymann glaubt nicht an Beweise
Unterschiedlicher Meinung sind die Regierungsparteien, was die Affäre betrifft. So sprach sich Bundeskanzler Faymann nach dem Ministerrat kategorisch gegen die Einsetzung einer Historikerkommission aus, während Vizekanzler Pröll von schwerwiegenden Vorwürfen sprach, die aufgeklärt gehörten.
Für Faymann ist eine Kommission verzichtbar, da diese den Eindruck erwecken würde, an den Spionagevorwürfen sei etwas dran. Er wolle daher nicht in die falsche Richtung gehen, sondern den "richtigen Eindruck" erwecken und das Andenken von Zilk schützen, so ein emotioneller Bundeskanzler. Zilk selbst habe zu diesen Vorwürfen bereits Stellung genommen. Es gibt aus Faymanns Sicht daher "keine neuen Sachverhalte". Es sei aber jedem Historiker unbenommen, in dieser Sache zu forschen.
Ein "sehr entspannter" Pröll sah hingegen schwerwiegende Vorwürfe, die auch im Interesse Zilks aufgeklärt gehörten. Das BZÖ kündigte indes eine parlamentarische Anfrage an Innenministerin Fekter an: Man wolle die "öffentliche Aufklärung über die verschwundenen Zilk-Akten erzwingen".
Zilk soll 60 Mal CSSR-Agenten getroffen haben
Zilk habe sich rund 60 Mal mit Agenten des Geheimdienstes der damals kommunistischen Tschechoslowakei (CSSR) getroffen, und es sei auch Geld geflossen, erklärte "profil"-Chefredakteur Herbert Lackner in der ORF-Sendung "Im Zentrum". "Ich kotze gleich", reagierte Dagmar Koller, die Witwe des im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Zilk. Was hier gemacht werde, sei "schmutziger Journalismus", attackierte Koller den Journalisten.
(apa/red)
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