Montag, 23. März 2009

Internet Explorer 8 gibt neues Tempo vor:
Finalversion schon als Download verfügbar

  • Microsoft entschlackt und beschleunigt den Browser
  • Deaktivierung in Windows-Nachfolger wurde bestätigt

Nach mehr als einjähriger Entwicklungszeit hat Microsoft den Internet Explorer 8 fertiggestellt. Der Browser zeige die meisten Webseiten schneller an als andere Programme und benötige im Vergleich zum Vorgänger weniger als ein Fünftel des Arbeitsspeichers, sagte der Technikexperte von Microsoft Deutschland, Daniel Melanchthon.

Geschwindigkeit und ein "komfortableres Browsen" seien die wichtigste Ziele des Entwicklerteams gewesen, sagte Melanchton. "Wir haben unter der Haube eine ganze Reihe von Verbesserungen einfließen lassen und Probleme beseitigt." Auch um die Sicherheit haben sich die Programmierer besonders gekümmert - in der Vergangenheit waren beim Internet Explorer zahlreiche Sicherheitslücken aufgetreten.

Die wichtigste Änderung aber bleibt für die Nutzer weitgehend unsichtbar: Der IE 8 ist der erste Microsoft-Browser, der sich allein an die internationalen Standards HTML, XML und CSS hält. Bei früheren Versionen habe es im Internet Explorer Funktionen gegeben, "die nicht standardisiert waren", räumte Melanchton ein. Weil aber das Microsoft-Programm da bereits der meistverwendete Browser war, haben sich viele Web-Designer bei der Gestaltung ihrer Seiten den falschen Vorgaben angepasst. "Wir haben Milliarden Webseiten draußen, die nicht konform geschrieben sind", sagte der Microsoft-Mitarbeiter.

Verbesserte Kompatibilität
Diese werden jetzt vom neuen Internet Explorer möglicherweise nicht mehr richtig angezeigt. Deswegen hat Microsoft in den IE 8 einen Schalter eingebaut, mit dem die bisherige Darstellung "emuliert", also angepasst werden kann. Ein "Quirks-Modus" emuliert eine ältere IE-Version, um die Murks-Webseiten so anzuzeigen, wie sie gedacht sind. Melanchton erklärte, dass dies sowohl vom Entwickler einer Webseite als auch vom Nutzer entsprechend eingestellt werden könne. Außerdem werde Microsoft die meistbesuchten Internet-Anbieter ansprechen und ihnen helfen, veraltete Seiten auf die standardkonforme Codierung umzustellen.

Zur verbesserten Geschwindigkeit bei der Darstellung der Webseiten sagte Melanchton: "Hier hat die Rendering Engine (die Software für die Ausgabe der Web-Informationen am Bildschirm) im Vergleich zum IE 7 gewaltige Fortschritte gemacht." In internen Tests habe sich gezeigt, dass der neue Internet Explorer 12 der 25 weltweit meistbesuchten Webseiten von allen Browsern am schnellsten anzeige. Bei neun Seiten lag demnach der Google-Browser Chrome vorn, in vier Fällen der Firefox des Open-Source-Projekts Mozilla.

"Webslices" und "Schnellinfos"
In der Bedienung des Browsers fallen zwei Neuerungen ins Auge. Mit "Webslices" können einzelne Abschnitte einer Webseite gewissermaßen ausgeschnitten und abonniert werden, um alle Neuerungen in diesem Bereich sofort zu erhalten. Das können etwa ein Wetterbericht oder die letzte Ziehung der Lottozahlen sein. Eingerichtet wird ein "Webslice" im Code der Webseite; es handelt sich um eine Kombination von RSS mit Grafikfunktionen und der Favoriten-Verwaltung des Browsers.

Die "Schnellinfos" sind eine Abkürzung für die Verbindung von Informationen und Webanwendungen. So lässt sich etwa für eine Adresse dessen Darstellung in einer Karte abrufen. Die Zahl der dabei erforderlichen Mausklicks werde von acht auf zwei verringert, erklärte Melanchton. Neben dem Aufrufen einer Landkarte sind die Internetsuche, das Nachschlagen oder das Aufrufen einer Übersetzung weitere möglichen Anwendungen.

Deaktivierung in Windows 7 möglich
Der Internet-Explorer 8 ist nach Angaben von Microsoft zum freien Download zur Verfügung gestellt worden. Die Software benötigt das Betriebssystem Windows (ab XP SP2). Der neue Browser wird auch Bestandteil des Vista-Nachfolgers Windows 7 sein.

Melanchton bestätigte, dass es bei diesem System auch eine Funktion geben wird, um den Internet-Explorer zu deaktivieren. Damit reagiere Microsoft auf Kundenwünsche, sagte Melanchton. Die Koppelung von Betriebssystem und Browser hat zuletzt immer wieder zu kartellrechtlichen Konflikten mit der EU-Kommission geführt. (apa/red)

23.3.2009 09:34