Kreative Konzepte für eine bessere Schule: Theaterspiel gegen Konzentrationsschwäche
- Klassenzimmer mutiert zum lustigen Proberaum
- Schule muss anders werden - NEWS zeigt neue Wege

Shakespeare. Schiller. Molière. Viele Erwachsene beschleicht bei diesen altehrwürdigen Literaturgrößen manch unangenehme Erinnerung an ferne Paukertage. Ganz anders bei den Drittklasslern der Volksschule Novaragasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk: Lustvoll rezitieren sie aus Shakespeares Wie es euch gefällt und proben mit Feuereifer für ihren großen Auftritt.
Die Schüler aus der Novaragasse sind Teil einer bemerkenswerten Bildungsinitiative, die einen neuen Weg im vielfach starren und unkreativen Bildungssystem aufzeigt. Unter dem Motto Schule für das Leben werden in zwei Wiener Volksschulen spezielle Theater-Workshops angeboten, um die Schüler in ihrer sprachlichen, kreativen und sozialen Entwicklung zu unterstützen. Unsere Theaterarbeit bringt das spielerische Element zurück in den Lernprozess, betont Sylvia Rotter, Gründerin und Intendantin des Wiener Kindertheaters, die gemeinsam mit dem Kinderpsychiater Max Friedrich die von 2008 bis 2011 laufende Bildungsinitiative gegründet hat.
Die Rotter-Methode
Die 57-jährige Rotter, die ihre Schauspielausbildung an der Royal Academy of Dramatic Arts absolvierte und jahrelang in England auf der Bühne stand, hat mit dem seit 1994 bestehenden Kindertheater eine neue Art der Theaterarbeit mit Kindern entwickelt. Das Besondere an der Rotter-Methode besteht darin, dass sie hauptsächlich mit Texten der klassischen Theaterliteratur arbeitet. Rotter: Viele dieser Stücke behandeln Lebenssituationen und Themen, mit denen sich die Jugend von heute identifizieren kann. So geht es etwa in Schillers ,Bürgschaft um Freundschaft eine Sehnsucht aller Kinder.
Wirksamkeit wissenschaftlich belegt
Die Wirksamkeit der Methode wurde auch bereits wissenschaftlich belegt. Eine Studie, an der von März bis Mai 2008 insgesamt 126 Kinder aus fünf dritten Volksschulklassen teilgenommen haben, brachte signifikante Verbesserungen bei wichtigen Schlüsselfaktoren zutage. So verbesserten sich verbale Merkfähigkeit, Körperwahrnehmung und Aufmerksamkeit um bis zu 50 Prozent. Rotter: Das größte Problem der heutigen Schüler ist die Konzentration. Das kommt bei der Bildungsdebatte noch viel zu kurz. Auch auf Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität wirkt sich die Theaterarbeit positiv aus.
Lesen Sie das Interview mit Kindertheater-Gründerin Sylvia Rotter im NEWS 12/03!
