Mittwoch, 18. März 2009

Ein Beispiel für viel mehr: Kultur-Redakteur Heinz Sichrovsky über den SC Hakoah Wien

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Die Fußballsektion war die berühmteste, hatte sich aber um 1927 quasi aufgelöst: Da hatte der österreichische Meister SC Hakoah Wien während einer USA-Tournee derartige Erfolge eingefahren, dass der Großteil der österreichischen Fußballer von amerikanischen Profiteams abgeworben wurde. Daheim bahnte sich für Österreichs ersten jüdischen Sportclub schon die Katastrophe an. Die Mitglieder der Ringersektion standen in ständigem außersportlichem Einsatz, um jüdische Studenten oder vom Gottesdienst Heimkehrende vor den Angriffen illegaler Nazischläger zu schützen. Einer der Ersten, die 1938 deportiert wurden, war Gründungspräsident Fritz Löhner-Beda, der Librettist der Operette „Land des Lächelns“. Er hoffte bis zu seiner Ermordung in Auschwitz auf die Fürsprache des von Hitler ästimierten Komponisten Franz Lehár. Das „Buchenwald-Lied“, das Löhner-Beda im Lager mit dem genialen Entertainer Hermann Leopoldi schrieb, ist das Herz einer wunderbaren Revue, die der Dramatiker Helmut Korherr geschrieben und der Regisseur Frank Michael Weber in Szene gesetzt hat. Wolfgang Böck verkörpert den unglücklichen Löhner-Beda. Das zu sehen, um sich bewegen und belehren zu lassen, ist
wie eine Ehrenpflicht. „Hakoah führt!“
24. bis 28. März im Wiener Stadttheater Walfischgasse. www.stadttheater.org.

18.3.2009 15:22