Montag, 23. März 2009

Bank Austria feilscht um Staatsmilliarden:
Gespräche über bis zu 2,7 Mrd. € beginnen

  • Ansuchen um Staatshilfe trotz Gewinn im Jahr 2008
  • Bankensprecher verteidigt "Timing" des Vorgehens

Wer zuletzt kommt, fährt am besten. Wen soll es da noch wundern, dass die Bank Austria den größten Gewinn aller heimischen Banken eingefahren hat und nun als letzte Großbank Österreichs um die größtmögliche Summe an Staatshilfen ansuchen wird? Mit diesen Superlativen im Gepäck wird die Tochter der italienischen UniCredit diese Woche in die Verhandlungen mit dem österreichischen Staat starten. Und dabei bemüht sein, einige Missverständnisse auszuräumen.

Zum einen wäre da der Gewinn von 1,1 Milliarden, den die Bank Austria im Geschäftsjahr 2008 angehäuft hat. Damit trug die UniCredit-Tochter zum Unternehmensgewinn der Mailänder Gruppe kräftig bei. Die meldete nämlich insgesamt "lediglich" 4 Milliarden Nettogewinn.

Trotzdem sucht die Bank Austria beim österreichischen Staat um bis zu 2,7 Milliarden verzinslichte Staatsgelder an, während die UniCredit in Rom für nur eine Milliarde vorstellig wird. "Der Gewinn der Bank Austria bleibt im Haus, wird also für Investitionen oder Eigenkapital aufgewendet", versicherte diesbezüglich ein Sprecher der Bank auf Anfrage von NEWS.at. Der Jahresgewinn der Bank Austria fließt also nicht nach Mailand zur UniCredit ab, reiche aber dennoch nicht für die Erhöhung des Eigenkapitals aus. Genau dafür soll eben das vom Staat geliehene Kapital aufgewendet werden.

"Timing ist schon in Ordnung"
Zum anderen fällt der Zeitpunkt auf, an dem sich die Bank Austria dazu durchringen konnte, den Staat um Hilfe zu bitten. Während Banken wie Hypo, Bawag oder Raiffeisen längst staatliches Partizipationskapital erhalten haben oder kurz vor dem beim Abschluss der Verhandlungen mit dem Staat stehen, hat die Bank Austria sehr lange zugewartet. Erst einen Tag vor der Bilanzverkündung wurde vergangene Woche der Beschluss gefasst, Wien und Rom um Hilfe zu bitten, die allerdings erst frühestens zur Jahresmitte verfügbar sein könnte. "Das Timing ist schon in Ordnung", verteidigte der Bankensprecher diese Vorgehensweise im Gespräch mit NEWS.at.

Auch der positive Geschäftsverlauf in den ersten beiden Monaten des Jahres 2009 stelle die Notwendigkeit von Staatshilfe nicht in Frage: "Die Finanzkrise ist noch nicht zu Ende. Es handelt sich bei der Staatshilfe ja auch in erster Linie um einen Sicherheitspolster. Der wird erst dann schlagend, wenn sich die Krise verschlimmern sollte."

Wettbewerbsgründe
Für die Verhandlungen mit dem Staat ließ Bank Austria-Chef Erich Hampel folglich wissen, dass die Zahlungen in erster Linie aus Wettbewerbsgründen erforderlich seien. Davon muss er ab dieser Woche die Vertreter von Regierung und Nationalbank überzeugen. Damit die Bank Austria am Ende doch nicht zuletzt gekommen ist, um mit leeren Händen wieder zu gehen.
(Stefan Meisterle)

23.3.2009 09:41