Trotz drohendem Pensionskollaps bis 2050:
Faymann und Pröll planen keine Reformen
- Neue Studie prognostiziert Kostenexplosion bis 2050
- Bundesbeitrag wird von 1,7 auf 4,6 Prozent stiegen
Die düsteren Prognosen der Pensionsexperten fechten die Regierungsspitze nicht an. Weder Bundeskanzler Faymann noch Vizekanzler Pröll sprachen sich für eine Pensionsreform aus. Der Kanzler betonte, dass die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit die beste Methode wäre, um dem steigenden Pensionsbedarf durch Bundesmittel entgegenzuwirken.
Mit neuen Jobs würden wieder mehr Beiträge ins System fließen würden. Finanzminister Pröll wollte ebenfalls keiner Reform das Wort reden, machte aber zumindest indirekt klar, dass sich in der Pensionsfrage in den nächsten Jahren etwas tun könnte. Irgendwann könnten die Budgetgrenzen erreicht sein und daher müsse die Debatte geführt werden, wie das System im Lot gehalten werden könne. Beraten werden müsse dann, welche Maßnahmen welchen Effekt erzielen könnten. Auf Genaueres ließ sich der Vizekanzler nicht ein.
Sicherung bis 2010
Zugesichert wurde von der Regierungsspitze, dass die Pensionserhöhung für das Jahr 2010 gesichert sei. Die Mittel seien entsprechend den Inflationsprognosen budgetiert. Faymann betonte dabei, dass damit wohl sogar eine höhere Anhebung zu stande kommen werde, als es zum Zeitpunkt der Erhöhung die dann aktuelle Teuerung nahelege. Grund: Der Durchrechnungszeitraum hat diesmal mit einer hohen Inflationsrate begonnen, mittlerweile hat sich die Teuerung aber deutlich abgemildert.
Bereits vor dem Ministerrat erklärte Sozialminister Hundstorfer, dass er trotz der düsteren Prognosen im am Dienstag präsentierten Pensionsgutachten keinen Handlungsbedarf sehe, was eine Reform des Systems betrifft. Beim Bundeszuschuss sei laut dem Minister mit einem Mehrbedarf von 270 Mio. Euro zu rechnen. Angesichts des nun präsentierten Gutachtens über die Entwicklung der Pensionen in den nächsten Jahren ortet das BZÖ einen "Pensionsraub der Regierung".
Brisante Studie
Eine neue Studie brachte diese Diskussion isn Rollen. Während die Kosten für die Pensionen in den nächsten Jahren zwar stark ansteigen, aber einigermaßen überschaubar sind, geht es in den kommenden Jahrzehnten dann wirklich kräftig nach oben. Das zeigt die neue Langfrist-Prognose. Nimmt man beispielsweise den Bundesbeitrag her, wird dieser heuer bei etwa 1,7 Prozent des BIP liegen. Für 2050 wird von einem Wert von 4,6 Prozent ausgegangen.
Dieser Anstieg wundert wenig, wenn man die geänderten Altersstrukturen ansieht. So werden im ASVG-Bereich 2050 2,9 Millionen Pensionen vergeben, 2009 sind es 1,8 Millionen. Die Pensionsbelastungsquote steigt von derzeit 554 Pensionen auf 1.000 Versicherungsverhältnisse auf 900 von 1.000 im Jahr 2060. Das durchschnittliche Lebensalter eines Mannes wird um etwa vier Jahre auf 86 angestiegen sein, das einer Frau um knapp vier Jahre auf 89.
(apa/red)


