Wienerberger sperrt weitere Werke zu:
Drastische Maßnahmen nach Gewinneinbruch
- 800 Arbeitsplätze sind von Schließungen betroffen
- Baustoffhersteller behält die Dividende für 2008 ein

·Siemens liebäugelt
mit mehr Kurzarbeit
Auch Österreich-Ableger
wäre davon betroffen
·Hundstorfer kämpft
gegen Arbeitslosigkeit
Kurzarbeit finanzierbar, aber keine Dauerlösung
Der Baustoffkonzern Wienerberger erwartet, dass das laufende Jahr 2009 "sehr, sehr schwierig" wird und rechnet mit Umsatzrückgängen, die die Größenordnung von 20 Prozent erreichen können. Als erstes großes ATX-Unternehmen hat der Ziegelproduzent angekündigt, die Dividende ganz streichen zu wollen. Der Konzern will in den kommenden Jahren jedes Jahr 100 Mio. Euro an Nettoschulden abbauen.
"Wir scheuen uns nicht, dabei die ersten zu sein, aber andere werden folgen", sagte Konzernchef Wolfgang Reithofer bei der Jahrespressekonferenz mit Blick auf andere ATX-Unternehmen, die aktuell ebenfalls die Dividenden "kassieren" dürften. Der am Dienstag vorgelegte druckfrische Geschäftsbericht wird diesmal von der sarkastischen Aussage geschmückt: "Auch 2008 waren wir wieder die Ersten. Leider." Stimmt die Hauptversammlung dem Verzicht auf eine Ausschüttung zu, erspart das dem Unternehmen 30 Mio. Euro.
Schließung weiterer Werke
Nachdem das in 26 Ländern produzierende Unternehmen 2008 bereits 27 Fabriken stillgelegt hat, sollen heuer weitere 20 folgen, unter ihnen das niederösterreichische Werk in Laa an der Thaya (26 Beschäftigte). "Und die 20 sind keine Obergrenze", ließ Reithofer weitere Fabriksschließungen offen. Ende des abgelaufenen Jahres betrieb der Konzern weltweit 243 Werke.
Wienerberger will die auf 890 Mio. Euro angewachsene Nettoverschuldung abbauen - um 100 Mio. Euro pro Jahr. Um das zu erreichen, werden die Kosten aus den Restrukturierungsmaßnahmen 2008 heuer um 90 Mio. Euro sinken, Wachstumsinvestitionen weitgehend eingestellt, 40 Mio. Euro Erhaltungsinvestitionen reduziert, und das "Working Capital" soll 2009 um 100 Mio. Euro zurückgehen.
"Wir werden heuer mit einiger Sicherheit einen Einser als erste Zahl bei unserem Umsatz stehen haben", sagte Reithofer am Rande der Bilanz-PK. Dies käme einer Einbuße von um die 20 Prozent gleich. "Das Problem ist nicht Wienerberger, das Problem ist der Markt." Wenigstens operativ werde man heuer positiv abschließen. Finanzvorstand Willy van Riet hob Kreditlinien hervor, die die Refinanzierung fällig werdender Schulden bis Ende 2011 erlauben (zusammen 429 Mio. Euro).
Veränderung der Strategie
Reithofer, der einen Verlust für das (wenig repräsentative) erste Quartal nicht ausschließen wollte, erläuterte wesentliche Veränderungen in der Konzernstrategie. Der Abbau der Nettoverschuldung und die Wahrung der Liquidität "haben absolute Priorität, um Wienerberger durch die Krise zu führen", auch vor den Dividenden, sagte er. Die in Wien notierte Aktie verfiel bis gegen 16 Uhr um 5,8 Prozent auf 5,18 Euro.
Das Hintermauer-Werk in Laa an der Thaya war eines von bisher acht Wienerberger-Ziegelwerken in Österreich. Es produzierte mit nur 26 Mitarbeitern 70 Millionen Ziegeleinheiten pro Jahr. Aus Österreich kommt nur mehr ein kleiner einstelliger Prozentsatz des gesamten Konzernumsatzes.
Der Konzernumsatz schrumpfte 2008 um zwei Prozent auf 2,43 (2,477) Mrd. Euro, der Nachsteuergewinn gab um 65 Prozent auf 103,3 (295,8) Mio. Euro nach. Das Unternehmen beschäftigte zum Jahresende 2008 rund 14.000 Mitarbeiter, bis Ende dieses Jahres wird diese Zahl voraussichtlich um 600 bis 800 Personen sinken. Besonders trübe sind die Aussichten 2009 in den USA und England, auch in Osteuropa werden Rückgänge in unterschiedlichem Ausmaß erwartet.
Der Gewinneinbruch 2008 hat auch die Gagen der Manager deutlich schrumpfen lassen. Weil die erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile um fast 80 Prozent zurückgegangen sind, verdiente Konzernchef Reithofer 2008 um 41 Prozent weniger, nämlich "nur" mehr 920.000 Euro (brutto).
(apa/red)

