Dienstag, 17. März 2009

Empörung über Bonuszahlungen bei AIG
nach Milliardenpaket: Auch Obama sauer

  • US-Präsident kritisiert: "Rücksichtslos und gierig"
  • Senator empfiehlt Managern Rücktritt oder Selbstmord

In den USA wächst die Empörung über Bonuszahlungen für Manager maroder Finanzkonzerne. US-Präsident Barack Obama kritisierte deswegen das Management des Versicherungskonzerns AIG als rücksichtslos und gierig. "Hier geht es nicht nur um Dollars und Cents, sonder um unsere grundlegenden Werte", sagte Obama. Während der amerikanische Steuerzahler die Rettung des Unternehmens durch den Staat finanziere, gönne sich die Geschäftsleitung Bonus-Zahlungen von 165 Millionen Dollar.

Obama sagte, er habe Finanzminister Timothy Geithner angewiesen, alle rechtlichen Mittel zu nutzen, um diese Zahlungen zu stoppen. Das Finanzministerium kündigte an, die Bonuszahlungen durch zusätzliche Klauseln in der staatlichen Hilfsvereinbarung für AIG rückgängig machen zu wollen. Die US-Regierung hatte dem Finanzkonzern seit September mehr als 170 Milliarden Dollar überwiesen, um dessen Konkurs zu verhindern. Der Staat hält mittlerweile 80 Prozent der AIG-Anteile. Auch die Justiz hat sich in der Bonusaffäre eingeschaltet. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kündigte an, die Rechtmäßigkeit dieser Zahlungen zu überprüfen. Sollte AIG nicht alle Unterlagen vorlegen, werde eine Klage eingebracht, sagte Cuomo.

Obama empört
AIG-Verwaltungsratschef Edward Liddy hatte in einem Brief an Geithner eine Reform des Bonus-Systems versprochen. AIG sei jedoch rechtlich verpflichtet, zugesagte Prämien in Höhe von 165 Millionen Dollar auszuzahlen. Obama zeigte sich empört. Es sei schwer verständlich, wie Finanzmarkthändler bei AIG überhaupt Sonderzahlungen verdient haben könnten. "Wie können sie diesen Frevel vor den Steuerzahlern rechtfertigen, die das Unternehmen über Wasser halten?", fragte er.

Noch drastischer äußerte sich der republikanische Senator Charles Grassley. Er würde sich besser fühlen, wenn die Manager "dem japanischen Beispiel folgen... und dann eines von zwei Dingen tun: zurücktreten oder Selbstmord begehen", sagte der Senator am Montag in einem Interview des Radiosenders WMT in Cedar Rapids, Iowa. Grassleys Sprecher Casey Mills erklärte anschließend, der Senator fordere nicht, dass sich die AIG-Manager das Leben nehmen sollten. Er habe nur deutlich machen wollen, dass es unverantwortlich sei, erst Steuermittel anzunehmen und das Geld dann für Reisen und Bonuszahlungen auszugeben.

(apa/red)

17.3.2009 12:57