"Ich habe nichts Verbotenes gemacht": Ex- ÖSV-Trainer Mayer bricht sein Schweigen
- Erhebt schwere Vorwürfe gegen Minister Darabos
- "Betreiben Menschenhatz und zerstören mein Leben"

Der ehemalige ÖSV-Trainer Walter Mayer hat in einem Interview erstmals ausführlich zu den seit den Olympischen Winterspielen 2006 gegen ihn geäußerten Doping-Verdächtigungen Stellung bezogen. Zudem erhob der Steirer schwere Vorwürfe gegen Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos. "Ich habe nichts Verbotenes gemacht", versicherte Mayer. "Das, was jetzt mit mir passiert, entbehrt aller menschlichen Grundrechte."
Ausschlaggebend für seinen öffentlichen Vorstoß in der "Kleinen Zeitung" sei ein in der Tageszeitung "Die Presse" erschienener Bericht, in dem Mayer vorgeworfen wurde, junge Leichtathletinnen zu betreuen, und der Grabenkampf Mayers mit seinem Dienstgeber, dem Bundesheer, detailliert geschildert wurde. Die Art und Weise, wie mit ihm umgegangen werde, könne er nicht unwidersprochen hinnehmen. "Das ist purer Hass geworden. Oder ein Abschied von Schuldgefühlen, die scheinbar in Österreich seit Turin herrschen und kein Ende finden", sagte Mayer.
Heftige Kritik an Darabos
Darabos solle sich nicht über die Medien begeilen und nicht nur über Doping reden. "Weil da scheint am Ende immer nur der Mayer übrig zu bleiben, weil alle anderen zu wichtig sind, weil man sie im staatlichen Interesse nicht angreifen darf", betonte der Steirer. "Zuerst bringt mich das Bundesheer zum Schweigen, erteilt mir Rede-Verbot, und jetzt will man mich abschießen", sagte der ehemalige Erfolgstrainer der österreichischen Langläufer und Biathleten. Sein bisheriges Stillhalten führt er ausschließlich auf eine dienstliche Anweisung des Bundesheeres und nicht auf ein kolportiertes "Schweigegeld" von 290.000 Euro des ÖOC bzw. eines Olympia-Lobbyisten aus Salzburg zurück.
Infolge des Dopingskandals im Februar 2006 bei Olympia in Turin sei ihm bereits im Mai 2006 "ein Maulkorb auferlegt worden". Heeressport-Kommandant Oberst Gerhard Eckelsberger habe ihm nahegelegt, angekündigte Klagen gegen den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Jaques Rogge, und den damaligen Präsidenten der Welt-Antidoping-Agentur WADA, Dick Pound, fallen zu lassen. Im Gegenzug hätte man ihm die stellvertretende Kommandatur des Heeresport-Zentrums Graz versprochen, erklärte Mayer.
"Keine Frage, ich war ein Schlitzohr"
Anschuldigungen, er sei eine zentrale Doping-Figur, erteilte er eine Absage. "Für mich kann ich behaupten, dass ich nichts getan habe", bekräftigte Mayer in der "Kleine Zeitung". Von einem angeblichen Doping-Labor in Wien wisse er nichts. "Keine Frage, ich war ein Schlitzohr, und ich stand etwa 2002 auf dem Standpunkt, dass erlaubt ist, was nicht verboten ist. Und das war die Methode, die wir damals angewandt haben, laut FIS-Reglement nicht. Bei Olympia war sie es. Dafür bin ich gesperrt worden", meinte Mayer, der nach Olympia 2002 in Salt Lake City wegen Bluttransfusionen bis 2010 von Olympia ausgeschlossen worden war.
In Turin hatte sich Mayer ohne Akkreditierung aufgehalten. Nach der Doping-Razzia in den Quartieren der ÖSV-Langläufer und -Biathleten endete seine Flucht in einer Straßensperre in Kärnten und einer Einweisung in die Psychiatrie. Seither ist Mayer mit einigen Unterbrechungen wegen Dienstunfähigkeit permanent im Krankenstand.
"Minister Darabos, Sie betreiben Menschenhatz"
Der APA - Austria Presse Agentur ging ein E-Mail von Mayer zu, indem der Heeresbedienstete dem seit Februar auch für die Sportagenden zuständigen Verteidigungsminister Darabos vorwirft, er versuche sein Leben zu zerstören. "Minister Darabos, Sie betreiben Menschenhatz und zerstören mein Leben. Jetzt schweige ich nicht mehr. Weisung durch das Bundesheer hin oder her", hieß es in der Mitteilung, die von der E-Mail-Adresse seiner Lebensgefährtin Eva Maria Gradwohl abgeschickt worden war.
"Heute ist mein Geburtstag und ich werde um mein Leben kämpfen. Mit 52 Jahren bin ich zu jung, dass mein Leben von einem mediengeilen Politiker zerstört wird, der als Verteidigungsminister alle möglichen Versprechungen machen lässt und mich jetzt als Sportminister ausradieren will. Das ist mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst, dass ich beginne, für mein Leben zu kämpfen", schloss Mayer.
"Mayer hat Image des Sports geschadet"
Stellvertretend für Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos teilte dessen Sprecher Stefan Hirsch auf APA-Anfrage zu Aussagen von Walter Mayer mit, dass die Vorwürfe und Hinweise, die an den Minister herangetragen wurden, überprüft werden müssen. Die Äußerungen Mayers Richtung Darabos, würden sich von selbst disqualifizieren. "Wir haben ja Verständnis dafür, dass er verärgert ist, aber er sollte besser kühlen Kopf bewahren", sagte Hirsch.
In Graz habe eine neuerliche Diensttauglichkeitsuntersuchung stattgefunden, sollte Mayer daraufhin als diensttauglich eingestuft werden, spricht sich Darabos dafür aus, dass Mayer vom Heeressport-Zentrum Graz in eine andere Dienststelle versetzt wird. "Mayer hat dem Image des Sports in Österreich und des Bundesheeres geschadet. Daher wäre eine Versetzung weg von den Heeressportlern vertretbar", erklärte Hirsch.
Hinsichtlich der Aussagen Mayers, dass er von Bundesheer-Angehörigen nach den Vorfällen in Turin zum Schweigen verpflichtet worden sei, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Eine Disziplinarkommission werde den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe prüfen.
(apa/red)
