Montag, 16. März 2009

Schlierenzauer wird zum großen Phänomen:
19-Jähriger bricht bereits sämtliche Rekorde

  • Tiroler liegt nur noch zwei Weltcupsiege hinter Felder
  • Überflieger auf dem Weg zu einer "Ikone des Sports"

Österreichs Skispringer prägen seit Jahren die Weltcup-Szene. Sei es nun das Team als gesamtes, Thomas Morgenstern als Doppel-Olympiasieger und Gesamt-Weltcupsieger des vergangenen Jahres oder "Spätstarter" Wolfgang Loitzl mit seinem Tourneesieg und dem WM-Gold von der Normalschanze. Doch es ist Gregor Schlierenzauer, der mit nur 19 Jahren schon fast sämtliche Allzeitrekorde hält und der mit seinem zwölften Saisonsieg in Vikersund die Nachfolge von Morgenstern als Gesamt-Weltcupsieger angetreten hat.

"Man kann nur gratulieren, wie er jetzt noch einmal die Energie und die Klarheit gehabt hat", schloss sich auch Cheftrainer Alexander Pointner den Lobeshymnen um den aktuellen Superstar der Skisprung-Szene an. Mit nunmehr 23 Weltcupsiegen hat er jetzt die Hälfte der Erfolge von Skisprung-Legende Matti Nykänen erreicht. Auf Österreichs besten Weltcup-Siegspringer Andreas Felder fehlen ihm nur noch zwei Tagessiege.

19 Podestplätze (zwölf Siege, drei zweite und vier dritte Plätze) hat Schlierenzauer zwei Einzelbewerbe vor Saisonende zu Buche stehen, dass hat vor ihm überhaupt noch niemand geschafft. Auch die 2.000-Punkte-Marke im Gesamt-Weltcup wird er als Erster wohl in Planica knacken. "Er hat halt sehr früh professionell arbeiten gelernt und ein optimales Umfeld. Man hat es auch jetzt ganz klar gesehen: er hat sich nie rausbringen lassen", sprach Pointner auch die Vogel-deut-Reaktion Schlierenzauers am vergangenen Samstag an, als die Jury den Anlauf - nicht zum ersten Mal in dieser Saison - nicht an dem Tiroler bemessen hatte. Und am Tag darauf schlug er mit cooler Leichtigkeit zurück.

Der Skiflug-Weltmeister 2008 fühlt sich eben auf den ganz großen Bakken besonders wohl, da kann er auch den derzeitigen Unterschied zum Rest der Welt am besten herausstreichen. Wird er dieser Möglichkeit durch zu viel Anlauf beraubt und wird es für Schlierenzauer gesundheitsgefährdend, dann kann er schon auch einmal unwirsch werden.

"Das ist natürlich ein Wahnsinn"
Als im Vorjahr Morgenstern zwölf Jahre nach Andreas Goldberger für die erste Große Kristallkugel für die ÖSV-Springer gesorgt hatte, war Schlierenzauer schon sein "Vize". In seiner ersten Saison war der 19-Jährige auch bereits Vierter geworden. Innerhalb von drei Saisonen zum Dominator der Szene. "Ich bin jetzt das dritte Jahr dabei und habe eigentlich die dritte gewaltige Saison. Das ist natürlich ein Wahnsinn", gestand auch Schlierenzauer.

Viele empfinden einen Gesamt-Weltcupsieg als noch wertvoller, weil es eben nicht bei einer WM oder bei Olympia eine Momentaufnahme ist, sondern ein wahres Zeugnis von Stärke und Konstanz. "Es ist eigentlich die Königsauszeichnung, weil man das ganze Jahr konstant springen muss", meinte auch Pointner. Drei Leute hätten dies heuer geschafft. "Das waren Loitzl, Ammann und Schlierenzauer und der Gregor hat es von diesen Drei einfach noch einmal besser gemacht."

"Da steckt viel Arbeit dahinter"
Vor zwei Jahren hatte der damals noch blutjunge "Rohdiamant" im ÖSV-Team im Finish noch einen ziemlichen körperlichen Einbruch erlebt, daher war die damalige Zielsetzung im ÖSV klar: Schlierenzauer mit gezieltem Aufbau für eine ganze Saison fit zu machen. Pointner: "Und jetzt steht er da mit der Glaskugel, das ist eine ganz besondere Auszeichnung. Da steckt viel Arbeit dahinter."

Schlierenzauer selbst hatte es ins Spiel gebracht, dass er einmal eine "Ikone dieses Sports" werde möchte. "Die Chancen sind natürlich sehr groß, er hat schon unheimlich viel gewonnen. Er ist auf dem besten Weg dazu", sagte auch der Cheftrainer der ÖSV-"Adler". Außergewöhnliche Springer hat es freilich schon öfters gegeben. Im Gegensatz zu manch anderen sieht Pointner in Schlierenzauer und auch Morgenstern aber einen Vorteil. "Beide waren schon mit 16 Weltklasse und haben sich im kritischen Alter bis 19 weiterentwickelt. Sie haben beide eine Professionalität entwickelt, wie sie nur sehr selten der Fall ist. Genau in dem (Alters-) Bereich brechen nämlich auch viele weg."
(apa/red)

16.3.2009 10:23