Samstag, 21. März 2009

Tausende Glocken läuten in Winnenden: Bewegende Trauerfeier nach Amoklauf

  • Zehntausende Menschen nahmen an Gedenken teil
  • 17-jähriger Tim K. erschoss wahllos 15 Menschen

Eingeläutet mit tausenden Kirchenglocken in ganz Württemberg hat in Winnenden die zentrale Trauerfeier zum Gedenken an die 15 Opfer des Amoklaufs begonnen. 900 Trauergäste fanden in der Kirche St. Karl Borromäus Platz, darunter die Angehörigen der Opfer sowie Mitschüler. Der evangelische Landesbischof Frank Otfried July verwies in seiner Predigt auf die christliche Hoffnung für die Opfer und für den Amokläufer: "Wir schweigen auch den Täter dieser furchtbaren Mordtaten, Tim K., nicht tot", sagte July. Zehntausende Menschen hatten sich zur Trauerfeier nach Winnenden bei Stuttgart aufgemacht, die auf Videoleinwänden übertragen wurde.

Abgeschieden von den Opfern werde auch sein Leben vor Gott gestellt. Beim anschließenden Staatsakt wollten Bundespräsident Horst Köhler und Ministerpräsident Günther Oettinger reden. Neben ihnen war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie weitere Spitzenpolitiker zu der Trauerfeier gekommen. In einem bewegenden Moment wurde den 15 Todesopfern gedacht. Jeder Name wurde einzeln vorgelesen, zwei Jugendliche brachten eine Kerze mit dem Vornamen durch den langen Mittelgang der Kirche nach vorn, zündeten sie an und stellten die Kerze zusammen mit einer gelben Rose auf den Altar.

Offener Brief an Bundespräsident
Wenige Stunden vor Beginn der Trauerfeier hatten Angehörige der Amoklauf-Opfer Konsequenzen von der Politik gefordert. Sie meldeten sich in einem offenen Brief an Bundespräsident Köhler, Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Oettinger zu Wort. Darin verlangen sie, den Zugang für Jugendliche zu Waffen zu erschweren, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einzuschränken, Killerspiele zu verbieten, den Jugendschutz im Internet auszubauen und die Berichterstattung der Medien über Amok-Täter zu reglementieren.

Tim K. noch nicht beigesetzt
Der 17 Jahre alte Amokläufer Tim K. hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule in Winnenden und auf der anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und danach sich selbst getötet. Seine Leiche wurde zwei Tage nach dem Massaker freigegeben, aber bisher nach Polizeiangaben nicht beigesetzt. "Wann und wo dies geschieht, wird nicht bekanntgegeben", sagte eine Polizeisprecherin in Waiblingen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Opfer des Amokläufers wurden bereits zu Grabe getragen.

Vor dem Elternhaus von Tim K. in Leutenbach-Weiler zum Stein legten Unbekannte rund ein Dutzend Kerzen ab. Auf einem Zettel stand in einem Schreiben an Tim K.: "Egal was geschehen ist, Du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben. Farewell and rest in peace. (Leb wohl und ruh in Frieden)".

(apa/red)

21.3.2009 15:16