Montag, 23. März 2009

Amtierender Ivanov führt in Mazedonien:
Konservative verteidigen Präsidentschaft

  • Stichwahl der beiden Bestplatzierten am 5. April
  • Geringe Wahlbeteiligung belief sich auf 53,90 Prozent

Die Entscheidung über den neuen Präsidenten Mazedoniens wird in der Stichwahl am 5. April fallen. Bei der ersten Runde der Präsidentenwahl konnte sich kein Kandidat die für einen Wahlsieg notwendige Mehrheit von 50 Prozent plus einer Stimme sichern. Nach Auszählung von 83,06 Prozent der Stimmen teilte die staatliche Wahlkommission in den frühen Morgenstunden mit, dass Gjorge Ivanov, Kandidat der regierenden VMRO-DPMNE, mit 35,33 Prozent der Stimmen klar in Führung liegt.

Den Sprung in die Stichwahl schaffte auch der Präsidentschaftskandidat des oppositionellen Sozialdemokratischen Bundes (SDSM), Ljubomir Frckoski, mit derzeit 20,12 Prozent der Stimmen. Den dritten Rang eroberte entgegen früheren Wahlprognosen der ehemalige Innenminister Ljube Boskovski mit 15,11 Prozent der Stimmen. Boskovski, der im Vorjahr vom UNO-Kriegsverbrechertribunal freigesprochen worden war, trat als unabhängiger Kandidat an. Die Wahlbeteiligung belief sich auf 58,02 Prozent.

Demokratie-Test
Der Urnengang galt als wichtiger Demokratie-Test für Mazedonien. Für Ministerpräsident Nikola Gruevski hat das Land mit der Wahl seinen Willen bewiesen, einen friedlichen, fairen und demokratischen Urnengang abzuhalten. Die Wahl sei eine bestorganisierten Wahlen des Landes gewesen, erklärte Gruevski. Mazedonien habe Demokratie an den Tag gelegt und seinen europäischen Weg gefestigt. Die Wahl wurde von einer Rekordzahl von Wahlbeobachtern - knapp 7.000, darunter etwa 500 aus dem Ausland - beobachtet und verlief nach offiziellen Angaben ruhig, wenngleich die Opposition erneut über kleinere Unregelmäßigkeiten klagte.


"Mazedonischer Obama"
Mit dem vierten Rang und 14,97 Prozent der Stimmen wurde der "mazedonische Obama", wie der ehemalige Gesundheitsminister und Chef der albanischen Neuen Demokratie, Imer Selmani, auch genannt wird, bestplatzierter Präsidentschaftskandidat der albanischen Volksgruppe. Sie stellt rund ein Viertel der mazedonischen Bevölkerung. Dahinter folgen der Kandidat der mitregierenden albanischen Demokratischen Integrationsunion (DUI), Agron Buxhaku (7,57 Prozent), der Kandidat der Liberaldemokratischen Partei, Nano Ruzin (3,74 Prozent) und die Kandidatin der Demokratischen Partei der Albaner (DPA), Mirushe Hoxha (3,16 Prozent).

An der Stichwahl Anfang April müssen mindestens 40 Prozent der Stimmberechtigten teilnehmen, damit das Ergebnis gültig ist. Für die VMRO-DPMNE und den SDSM dürfte es keineswegs eine leichte Aufgabe sein, die Wähler zur Teilnahme an der Stichwahl zu motivieren. Vor allem die Albaner dürften enttäuscht sein, weil Selmani es entgegen den Erwartungen nicht als erster Kandidat der albanischen Volksgruppe in die Stichwahl schaffte.
(apa/red)

23.3.2009 12:26