Donnerstag, 19. März 2009

Papst hält Rede vor Muslimen in Kamerun:
'Leuchtfeuer für andere afrikanische Länder'

  • Setzt sich für vertieften Dialog der Religionen ein
  • Kamerun: Jeder Fünfte Muslime und 40 % Christen

Papst Benedikt XVI. hat das friedliche Miteinander von Christen und Muslimen in Kamerun als beispielhaft gelobt. Diese Form des Zusammenlebens sei "ein Leuchtfeuer für andere afrikanische Länder", sagte der Papst bei einem Treffen mit muslimischen Geistlichen in Yaoundé. Echte Religion lehne Gewalt und Totalitarismus ab. Im Fußballstadion der Hauptstadt Yaounde feierte Benedikt eine Messe vor rund 40.000 Menschen. In seiner Predigt im Amadou-Ahidjo-Stadion erinnerte der Papst an das Schicksal zahlloser Kindersoldaten. An ihre Adresse gewandt, sagte er: "Gott liebt euch, er hat euch nicht vergessen."

Der afrikanischen Jugend sprach das katholische Kirchenoberhaupt Mut in schwieriger Lebenslage zu, zugleich warnte er sie vor "künstlichen Paradiesen". Mit Gottvertrauen könne Afrika "der Kontinent der Hoffnung" werden, sagte der Pontifex in der Open-Air-Messe. Seine Botschaft gelte auch den "Kindern, die keinen Vater mehr haben oder die alleingelassen im Elend der Straße leben, sowie denen, die gewaltsam von ihren Eltern getrennt wurden, die misshandelt und in paramilitärische Truppen eingegliedert werden." Alle sollten Vertrauen in Gott haben, sagte Benedikt.

Die Messe war der Höhepunkt seines knapp dreitägigen Besuchs in Kamerun. Der Gottesdienst wurde begleitet von festlichen Gesängen und von Lesungen in acht Sprachen, von Latein bis zu afrikanischen Sprachen wie Ewondo und Swahili. Benedikt ging ausführlich auf die schwierige Lage der Familie ein. Traditionelle Werte seien gefährdet, Landflucht und Generationenkonflikt setzten Afrikas Familien massiv unter Druck. Im voll besetzten Stadion der Hauptstadt Kameruns warnte Benedikt die Afrikaner vor einer "Tyrannei des Materialismus". Er rief die Katholiken auf dem Kontinent auf, "sich um ihre Seele zu kümmern". Sie sollten sich nicht einfangen lassen von "egoistischen Illusionen und falschen Idealen", meinte der Papst.

Die Messe diente auch der Übergabe eines Arbeitsdokuments an die afrikanischen Bischöfe für die für Oktober in Rom vorbereitete zweite Afrika-Synode. Das Papier geht auf gut 50 Seiten auf die "Kirche in Afrika im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens" ein und behandelt die Auswirkungen von Globalisierung und Weltwirtschaftsflaute auf den Kontinent. Die Ausbeutung Afrikas durch multinationale Konzerne wird darin ebenso scharf kritisiert wie eine "schädliche" Politik internationaler Finanzinstitutionen. Potentaten in Afrika stünden einem Frieden im Wege. Die katholische Kirche werde von Sekten bedrängt, daneben gebe es einige islamistische Strömungen.

"Herzlich und freundlich"
Das vorangegangene Treffen mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft, das hinter verschlossenen Türen stattfand, sei "herzlich und freundlich" verlaufen, sagte ein Sprecher des Vatikans. Benedikt appellierte an Christen und Muslime, gemeinsam für eine "Kultur der Liebe" zu arbeiten.

Gut ein Fünftel der Bevölkerung von Kamerun ist muslimischen Glaubens, 27 Prozent sind Katholiken und 18 Prozent Protestanten. Christen und Muslime leben in Kamerun ohne Spannungen zusammen. Im benachbarten Nigeria kommt es hingegen immer wieder zu blutigen Unruhen und Konflikten zwischen Anhängern beider Religionen.

Der Papst war am Dienstag in Kamerun eingetroffen. Der Auftakt seiner Afrika-Reise war überschattet von der Diskussion über seine Haltung zum Gebrauch von Kondomen. Auf dem Flug nach Yaoundé hatte Benedikt erklärt, die Verteilung von Kondomen sei nicht die richtige Lösung im Kampf gegen Aids. Damit löste er massive Kritik aus.

(apa/red)

19.3.2009 16:16