Mittwoch, 18. März 2009

Eltern von Amokläufer melden sich zu Wort:
Familie bricht in einem Brief ihr Schweigen

  • Winnenden: Hinterbliebenen Mitgefühl ausgesprochen
  • "Wir sind bestürzt über die unfassbare Tragödie"

Sechs Tage nach dem schrecklichen Amoklauf von Winnenden hat jetzt die Familie von Tim K. erstmals ihr Schweigen gebrochen. In einem Brief sprechen die Eltern und die Schwester des Amokläufers den Hinterbliebenen der 15 Opfer ihr Mitgefühl aus. In der Albertville-Realschule versucht man unterdessen wieder langsam zum Schulalltag zurückzukehren.

In einem von ihrem Rechtsanwalt in Umlauf gebrachten Schreiben, drücken die Eltern zum ersten Mal ihre Gefühle aus: "Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders genommen. Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben. Bis zu dem furchtbaren Geschehen waren auch wir eine ganz normale Familie.

Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders. Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie. Unser tiefstes Mitgefühl möchten wir den Opfern, Angehörigen und Freunden aussprechen. Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten. Leutenbach, den 17.03.2009"

Zurück zum Schulalltag
Nach dem Amoklauf von Winnenden sollen die Schüler der betroffenen Albertville-Realschule nach und nach wieder in den Schulalltag zurückkehren. Eine Woche nach dem Amoklauf soll in Baden-Württemberg mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht werden. Mittlerweile liegt auch das Obduktionsergebnis des Amokläufers vor. Der 17-Jährige hatte sich selbst getötet.

Die Schüler werden aber vorerst nicht in ihr altes Schulgebäude zurückkehren. Die Klassen würden auf verschiedene andere Schulen verteilt, sagte Schiele. Die Zukunft des Schulgebäudes, das wegen der laufenden Ermittlungen weiter gesperrt blieb, ist dem Regierungsschuldirektor zufolge unklar.

Durch Kopfschuss selbst gerichtet
Laut Obduktionsergebnis hat sich der Amokläufer Tim K. mit einem Kopfschuss selbst getötet. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis schoss er sich am Ende seiner Flucht in die Stirn. Es sei ein "Nahschuss" gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Seine Leiche sei bereits freigegeben worden. Wann Tim K. beigesetzt wird, ist bisher nicht bekannt.

Die Ermittler prüfen unterdessen weiter die vermeintliche Ankündigung des Amoklaufs in einem Internet-Chat. Es spreche viele dafür, dass dieser Eintrag gefälscht sei, sagte Landesinnenminister Heribert Rech.

Tim K. hatte am vergangenen Mittwoch an seiner ehemaligen Schule neun Schüler und drei Lehrerinnen getötet. Auf der Flucht erschoss er drei weitere Menschen, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete.
(apa/red)

18.3.2009 11:57