Montag, 16. März 2009

Mageres Presse-Briefing nach Prozesstag:
Journalisten verlassen verärgert Konferenz

  • Mappe verursacht Debatte: Josef F. versteckt sich
  • "Er soll sich dem jetzt stellen, was er getan hat!"

Dichtes Gedränge, unzählige Kameras dicht aneinandergereiht, die Mikros positioniert und die Journalisten ein wenig nervös: Der Andrang an Medienvertretern - etwa 300 Journalisten waren zum ersten Pressebriefing ins Medienzelt in St. Pölten gekommen - war enorm. Allein etwa 60 Kameras waren auf das Podium mit Landesgerichts-Vizepräsident Franz Cutka, Polizeidirektor Johann Schadwasser und dem stellvertretenden Leiter der Justizanstalt, Erich Huber-Günsthofer, gerichtet gewesen.

Die Presseinfo - nicht unbedingt zur restlosen Zufriedenheit vor allem ausländischer Kollegen - dauerte etwas mehr als 30 Minuten. Das Raunen unter den Presseleuten war nicht zu überhören, als es hieß, dass es keine Infos aus dem Verhandlungssaal geben werde. "Warum eine Pressekonferenz, wenn wir eh nichts erfahren?", ärgerte sich eine Journalistin. Die Fragen der Berichterstatter reichten von "zeigte der Angeklagte Reue?" bis "was hat er zum Frühstück gegessen?" Bereits nach wenigen Minuten zogen nach und nach einige Reporter mit ihren Kameras leicht verärgert ab.

Blaue Mappe sorgt für Ärger
Bereits zu Beginn des Prozesses hatten einige Medienvertreter ihren Ärger Luft gemacht. Gespannt und ohne Worte lauschten Journalisten aus aller Welt im randvollen Medienzelt der Liveübertragung des ORF, als der Angeklagte gegen 9.30 Uhr in den Verhandlungssaal geführt wurde. Dass Josef F. sein Gesicht mit einer blauen Mappe verdeckte, war für Journalisten ärgerlich. "Das ist unhaltbar, dass er den Ordner vorm Gesicht hatte. Die Richterin hätte ihn auffordern müssen, dass er sich zeigt. Er soll sich dem stellen, was er getan hat", forderte eine Reporterin vom spanischen Fernsehen "tve".

"Das ist sein gutes Recht. Er darf sich verstecken, das kann er", meinte Franz Cutka, Vizepräsident und Sprecher des Landesgerichts St. Pölten. Er zeigte sich erstaunt, dass das Interesse so groß ist. "Es gibt nichts zu sehen und nichts zu hören. Das Medienereignis war damals im Amstetten", meinte er. Dennoch hoffe er, dass man es den Medien - trotz Ausschluss vom Prozess - einigermaßen recht machen könne. "Oder würden sie es wollen, dass alles über ihr Leben breitgetreten würde, wenn ihnen so etwas passiert?", meinte Cutka zu einem ausländischen Medienvertreter, der nach den Gründen des Ausschlusses fragte. "Wir wollen die Opfer schützen", sagte der Sprecher.

Französische Journalistin: "Pech" gehabt
Dass Josef F. sein Gesicht versteckte, sei "Pech", meinte eine Journalistin vom französischen Fernsehen. Dass die Öffentlichkeit vom Prozess ausgeschlossen wurde, habe man erwartet. "Das hat uns nicht wirklich erstaunt", meinte sie.
(apa/red)

16.3.2009 17:59