Freitag, 20. März 2009

Neugebauer übergibt bald ÖAAB-Führung: Hält sich an angekündigte Halbzeitlösung

  • Verlässt ÖVP-Arbeitnehmerbund im Laufe des Jahres
  • "Das wird schneller gehen als so manche glauben"

Fritz Neugebauer gibt eines seiner Ämter ab und will noch im Laufe dieses Jahres seine Funktion als ÖAAB-Obmann übergeben. Er kündigte an, sich an sein Versprechen zu halten, zur Halbzeit der Funktionsperiode von sich aus das Amt an der Spitze des ÖVP-Arbeitnehmerbundes zurückzulegen. Zuvor war bereits deutliche Kritik an ihm laut geworden, der oberösterreichische Landesobmann Franz Hiesl hatte ihn öffentlich an dieses Versprechen erinnert und ihm vorgeworfen, den ÖAAB zu sehr auf die Beamten verengt zu haben. Als Favorit für die Nachfolge gilt Außenminister Michael Spindelegger. Seine Funktionen als Zweiter Nationalratspräsident, Vorsitzender der Beamtengewerkschaft und Präsident der Beamtenversicherung will Neugebauer weiter ausüben.

Im Gespräch mit der APA erklärte Neugebauer, er habe anlässlich des ÖAAB-Bundestages 2007 angekündigt, nicht die gesamte vierjährige Periode zu machen, sondern zur Halbzeit das Amt zu übergeben. "Das werde ich auch machen." Einen genauen Zeitpunkt nannte er nicht, aber: "Das wird schneller gehen, als so manche glauben." Gespräche dazu würden jedenfalls bereits geführt, er sei dabei, den Übergang gut zu organisieren - und zwar unabhängig von Zurufen.

Einen solchen Zuruf musste sich Neugebauer unmittelbar vor seiner Ankündigung vom oberösterreichischen Landesobmann Hiesl anhören. Der Landeshauptmannstellvertreter sprach von einer "gewissen Unruhe" unter den Funktionären in den Ländern. Diese sei vor allem in seinem Bundesland, aber auch in Niederösterreich spürbar. Der Grund dafür sei, dass sich der ÖAAB unter dem Vorsitzenden der Beamten-Gewerkschaft zu sehr auf den öffentlichen Dienst konzentriere. Er forderte eine "Erneuerung" des ÖAAB und betonte: "Der ÖAAB muss wesentlich breiter sein."

Diese inhaltliche Kritik wies Neugebauer entschieden zurück: "Das ist absolut falsch." In der Führung des ÖAAB gebe es eine "gute Mischung", sagte der Bundesobmann. Dass der Öffentliche Dienst einen wesentlichen Stamm der ÖAAB-Mitglieder stelle, sei nicht schlecht, für die Organisation gebe es dadurch keinen Schaden, betonte Neugebauer.

Übergang "mit Gelassenheit und Solidität"
Seine Nachfolge will Neugebauer nun "professionell", aber "nicht vor dem Schaufenster" regeln. Vor Vorstand wurde er gebeten, den Übergang "mit Gelassenheit und Solidität" außerhalb der Medien vorzubereiten. Als Favorit gilt der niederösterreichische Landesobmann Michael Spindelegger. Auch Hiesl ließ eine deutliche Präferenz für den Außenminister erkennen. Und Neugebauer bezeichnete Spindelegger als "ausgezeichnete Persönlichkeit", fügte aber hinzu, dass es viele solche im ÖAAB gebe.

Spindelegger selbst sagte, er strebe zwar "nichts an", aber "man kann auch nichts ausschließen". Es handle sich um eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, "weil der ÖAAB innerhalb der ÖVP das Sprachrohr für die arbeitenden Menschen ist". Spekulationen seien aber jedenfalls "verfrüht".

Bedeckt hielten sich zwei andere mögliche Kandidaten. Staatssekretärin Christine Marek sagte nur: "Das Thema steht nicht zur Diskussion." Fast wortgleich die Reaktion von ÖAAB-Generalsekretär Werner Amon: Das sei für ihn "überhaupt kein Thema".

(apa/red)

20.3.2009 15:36