Mittwoch, 18. März 2009

"Schülerstreiks" in Österreich nach SMS-
Aufruf: Offenbar Solidarisierung mit Lehrern

  • Im Arbeitszeitstreit mit Unterrichtsministerin Schmied
  • Prompte Kritik: "Diese Streiks lösen keine Probleme"

Über ominöse Ketten-SMS werden derzeit Schüler in Österreich zum Streik aufgefordert. Die Urheber der Meldungen sind unklar, offenbar sollen sich die Schüler mit den Lehrern solidarisieren, die gegen die von Unterrichtsministerin Claudia Schmied geplante Verlängerung der Unterrichtsverpflichtung protestieren. Aktionen gab es vor allem in Vorarlberg, auch in der Steiermark blieben teilweise Klassenräume leer. Nicht betroffen waren bzw. sind Wien, Niederösterreich und das Burgenland.

Unter dem Motto "Eure Krise zahlen wir nicht" hat die Sozialistische Jugend Vorarlberg (SJ) Dornbirn einen Schüler-Protestmarsch organisiert. Dabei erklärten sich die Teilnehmer solidarisch mit den Lehrern und forderten eine "Bildungs-Milliarde". "Wenn die Lehrer streiken, werden wir sie dabei unterstützen", erklärte SJ-Landeschef Lukas Riepler.

Die Banken hätten in den vergangenen Jahren hohe Gewinne erwirtschaftet, nun aber sollten andere Berufsgruppen die Krise ausbaden müssen. "Das sehen wir nicht ein", so Riepler. Man werde sich auch an der Großdemonstration am 28. März in Wien beteiligen. Laut Riepler nahmen am Protestmarsch 800 bis 1.000 Jugendliche teil, laut Polizei waren es zwischen 400 und 500. Für den Streik kritisiert wurde die SJ von der Vorarlberger Schülerunion. "Diese Streiks lösen keine Probleme."

Streik auch in Graz
An der Grazer HTBLVA Ortweinschule haben Schülervertreter zu einem dreistündigen Streik gegen die von Schmied angestrebte Zwei-Stunden-Regelung aufgerufen. Die Schüler wurden dazu angehalten, sich nach der zweiten Schulstunde im Pausenhof zu versammeln und Unterschriften gegen die Regelung abzugeben. Die Klassenzimmer blieben ab diesem Zeitpunkt - abgesehen von den Lehrern - zum Großteil leer. "Wir stehen auf der Seite der Lehrer und finden die möglichen Folgen inakzeptabel", so Schulsprecherin Nora Laufer. Ein in der Steiermark in den vergangenen Tagen kursierendes SMS, das für Mittwoch anonym zum Schülerstreik aufgerufen hat, sei nur "mit ein Anlass" für den Streik gewesen, so die Schülervertreterin.

Direktor Reinhold Neumann zeigte "volles und ganzes Verständnis" für das Vorgehen der Schüler. "Weniger sinnvoll" erachtete Felix Schotter, Landesobmann der steirischen Schülerunion, die auf ihrer Homepage und in Aussendungen die Rücktritt von Ministerin Schmied fordert, den Streik an der Grazer Schule und die SMS-Aktion, von der er sich distanzierte.

Ketten-SMS
In Oberösterreich haben die Kids offenbar brav die Schulbank gedrückt. Beim Landesschulrat sind keine Meldungen über streikende Schüler eingegangen. Es sei aber bekannt, dass derartige Aufforderungen kursieren. Es handle sich offenbar um Ketten-SMS, wer der Urheber ist, sei kaum zu eruieren. Ähnlich war die Situation in Tirol, Wien, Niederösterreich und dem Burgenland.

In Salzburg machte zwar an zumindest einer Schule eine Streik-SMS die Runde - als Termin wurde allerdings der 20. März genannt. Wofür oder wogegen gestreikt werden sollte, war auch Landesschulratspräsident Herbert Gimpl unklar: "Der Inhalt war nicht sehr aussagekräftig. Aufhänger war: Wenn die Lehrer streiken können, warum sollen wir das nicht auch tun?"

In Kärnten solidarisieren sich vereinzelt Schüler mit ihren Lehrern. "Man darf sich aber nicht vorstellen, dass sie jetzt reihenweise auf der Straße stehen - noch nicht", sagte Landesschulratsvizepräsident Rudolf Altersberger. Die Jugendlichen seien verärgert, dass gewisse Lehrer der Maßnahme der Ministerin zum Opfer fallen könnten und würden dies nicht hinnehmen wollen.

(apa/red)

18.3.2009 14:45
Ulf01, 18. 03. '09 17:30
Schüler solidarisch mit Lehrern
Dieser Umstand erscheint mir nicht so unlogisch, denn beide Gruppierungen haben ungefähr gleich viel Ahnung von Wirtschaft, Arbeit und Leistung.
mr.sauer, 19. 03. '09 11:58
Re: Schüler solidarisch mit Lehrern
Ich kenn mich in der Wirtschaft auch nicht so aus und bitte daher um Aufklärung! Eine Bank macht 1 Milliarde (!) Gewinn und fordert einen staatlichen Zuschuss ( der wahrscheinlich ohne Wimperzucken genehmigt wird). Alle Bürgermeister bekommen (ohne großen medialen Aufwand eine Gehaltserhöhung von 20 % - nach sicherlich tollen Leistungen).
Aber wahrscheinlich sind sie auch Bildungs und Schulexperte: Daher meine Frage. Wie kann man im Schulbereich 350 Millionen einsparen, ohne Personal abbzubauen? Es wäre nett mir ein bißchen behilflich zu sein, dass ich nur ein bißchen was von Wirtschaft und Leistung verstehe.
clsc, 19. 03. '09 14:12
Re: Schüler solidarisch mit Lehrern
@Ulf01:
Super! Wieder so ein toller Beitrag unseres Schulexperten, Wirtschaftsexperten , Universalgelehrten! Danke für Ihre Aufklärung! Echt toll, was Sie so von sich geben! Besser könnt es der Rateonkel aus der Bastelecke auch nicht.
mr.sauer, 19. 03. '09 16:24
Re: Schüler solidarisch mit Lehrern
Danke für das Kompliment, beantwortet aber nicht meine Fragen
Ulf01, 19. 03. '09 19:14
Re: Schüler solidarisch mit Lehrern
Um die Privilegien in diesem geschützten Bereich zu erkennen muß man wahrlich kein Experte sein. Es genügt wenn man 1 und 1 zusammenzählen kann. Und das habe ich trotz Pisa-Studie in österreichischen Schulen gelernt.
mr.sauer, 19. 03. '09 20:19
Re: Schüler solidarisch mit Lehrern
Dann rechnen sie 1+1 und erklären sie mir bitte wie sie 350 Millionen im Schulbetrieb einsparen wollen, ohne Personal (sprich Junglehrer) abbzubauen. Bitte keine Floskel sondern konkrete Vorschläge. Danke
mr.sauer, 19. 03. '09 21:48
Re: Schüler solidarisch mit Lehrern
Hallo !!! 1+1 kann doch nicht so schwer sein, oder fällt uns nichts ein
blaster, 18. 03. '09 16:27
Aufstand der Basis
Die Arbeitszeit der Lehrer ist für die Schüler sicher kein Grund zum Streiken. Aber vielleicht bemerken sie langsam, dass bei vielen "Reformen" einfach über sie "drübergefahren" wird. (z.B. Zentralmatura, Stundenkürzungen, ...)
Und die offiziellen Schülervertreter sind natürlich auch Parteifunktionäre. Also vielleicht wehrt sich die Schüler-Basis einfach gegen diese Vereinnahmung von der Politik?
Alframo, 18. 03. '09 15:04
Streik
Mit solchen Mittel wird die Gewerkschaft keine Zukunft haben indem man die Schüler mittels SMS auffordert zu STREIKEN.Das ist reine Anarchie und die Vernunft geht den Bach hinunter.Hier sieht man wieder was eine verblödete Gewerkschaft ohne vernünftigen Gegenvorschlag macht.Vorschlag tretet aus der Gewerkschaft aus und verhandelt ohne diese Gewerkschaft.
enibas63, 18. 03. '09 16:32
Re: Streik
Wo bitte steht geschrieben, dass die Gewerkschaft oder die Lehrer die Schüler zum Streik aufgefordert haben. Hier reine Mutmaßungen aufzustellen, das ist eine Frechheit.
Eher wahrscheinlich ist, dass die Schüler wesentlich mehr im Hirn haben, als viele Erwachsene, die zu der Situation ihren Kommentar abgeben und auch besser informiert sind, bzw. die vielen falschen Informationen gut durchschauen. Es wäre wünschenswert, wenn auch ältere Leute so einen Durchblick hätten.