Montag, 16. März 2009

Vernichtende Kritik am Notensystem:
Gute Noten trotz Schwächen beim Lesen

  • Zufall entscheidet über AHS oder Hauptschule
  • Verschiedene Noten trotz gleicher Leistungsstärken

In Österreich sagen Schulnoten wenig über die tatsächlichen Leistungen aus. Das hat die Detailauswertung der Lesestudie PIRLS 2006 unter Schüler der vierten Klasse Volksschule erneut bestätigt. Vier Prozent der Schüler, die mit einfachsten Lese-Aufgaben Probleme haben, wurden dennoch von ihren Lehrern im Fach Deutsch mit "Sehr Gut" benotet.

Auffälligstes Ergebnis der Analyse durch das Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE): Die schwächsten Schüler mit einem "Sehr Gut" als Deutschnote in der Schulnachricht haben bei PIRLS dieselbe Testleistung erbracht wie die besten Schüler mit "Nicht Genügend". Noten sollten laut Gesetz darüber Auskunft geben, ob ein Schüler ein bestimmtes Leistungsniveau erreicht hat. Tatsächlich werden allerdings Schüler, die bei PIRLS eine ähnliche Leistung erbracht haben, sehr unterschiedlich benotet: Mehr als 70 Prozent der Schüler, die mit "Befriedigend" beurteilt wurden und daher nicht AHS-reif sind, haben bei PIRLS gleich gut abgeschnitten wie Schüler mit einem "Gut" im Zeugnis, also mit AHS-Reife.

"Auch wenn in die Deutschnote noch andere Kriterien als die Leseleistung (z.B. Grammatik, Rechtschreibung, Schreiben, Anm.) eingehen müssen, sprechen diese erheblichen Überlappungsbereiche gegen eine kriteriumsorientierte Beurteilung", kritisieren die Studienautoren. Diese ziehen daraus den Schluss, dass ein Teil der Risikoschüler von den Lehrern nicht als solche erkannt und dementsprechend auch nicht speziell gefördert wird. Gleichzeitig haben fünf Prozent der Schüler, die bei PIRLS in der Spitzengruppe gelandet sind, im Semesterzeugnis "Befriedigend" als Deutschnote stehen. Lehrer würden sich bei der Notengebung "vornehmlich" am Niveau der Klasse und nicht am erreichten Leistungsniveau orientieren, heißt es in dem Bericht.
(apa/red)

16.3.2009 20:18