Montag, 16. März 2009

Bald tausende neue Jobs in Pflegebranche?
Österreichweit um 6.500 Pfleger zu wenig

  • Volkshilfe fordert 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze
  • Pflegesicherung soll durch Fonds finanziert werden

Zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit schlägt die Volkshilfe die Schaffung von tausenden Jobs im Pflegebereich vor. In Österreich herrsche derzeit ein Mangel an Pflegepersonal von 6.500 Vollzeitstellen, die Nachfrage werde zukünftig sogar noch steigen, erklärte Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger. Volkshilfe-Präsident Josef Weidenholzer forderte deshalb von der Bundesregierung die rasche Umsetzung eines Pflegefonds.

Die Landesorganisationen der Volkshilfe würden 2009 rund 500 neue Jobs im Pflegebereich schaffen, so Fenninger. Angesichts der ständig steigenden Nachfrage sei das allerdings wie "Autofahren mit gezogener Handbremse". Wenn die Länder mehr Geld in die Hand nehmen würden, könnte die Volkshilfe zusätzlich eine beträchtliche Zahl an Arbeitsplätzen schaffen, ist er überzeugt.

2.000 neue Jobs bis 2010
Eine groß angelegte Investition in Jobs im Bereich der Pflege und Betreuung würde sich viel rascher rechnen, als beispielsweise mit hohen Steuermitteln die "Überproduktion der Automobilindustrie" zu finanzieren, appellierte Fenninger an die Bundesregierung. Im Regierungsabkommen sei außerdem die Förderung von 2.000 zusätzlichen Pflegekräften bis 2010 beschlossen worden. "Das muss sofort angegangen werden."

20.000 zusätzliche Stellen möglich
Abgesehen von der in Zukunft noch steigenden Nachfrage gebe es bereits heute einen Personalmangel von 6.500 Vollzeitstellen. Fenninger möchte diese in den nächsten drei Jahren besetzen. Generell sei Österreich laut einer Studie mit ausgebildeten Pflegekräften unterbesetzt: Kommen in Deutschland auf 1.000 Einwohner 9,5 Fachkräfte, sind es hierzulande nur 5,8. Die Volkshilfe fordert die Anhebung des österreichischen Niveaus auf das deutsche, was 20.000 zusätzliche Jobs in den nächsten fünf Jahren bedeuten würde.

Finanzierung durch Pflegefonds
Finanziert werden soll die geforderte staatliche Pflegesicherung durch die Einrichtung eines Pflegefonds, erklärte Weidenholzer. Dieser Fonds solle einerseits von Bund und Ländern, andererseits durch "neue Quellen aus vermögensbezogenen Steuern" gespeist werden.

Weiters pocht die Volkshilfe auf eine Reformierung des Ausbildungssystems, um den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen. Weidenholzer wünscht sich hier eine Anhebung der Pflegeausbildung auf Bachelor-Niveau in ganz Österreich. Außerdem wären für Weidenholzer eine berufsbildende höhere Schule für den Gesundheits- und Sozialbereich sowie ein Lehrberuf nach der neunten Schulstufe sinnvoll. (apa/red)

16.3.2009 14:09