Freitag, 13. März 2009

Überwinternde Gelsen jetzt schnell töten!
Weibchen bereit für Milliarden an Nachwuchs

  • Experte rät zu einem aufmerksamen Rundgang
  • Bei wärmeren Temperaturen kommt erste Ei-Ablage

Noch ruhen die überwinternden Hausgelsen in Kellern, Scheunen und sonstigen Verstecken. Einmal ausgeschwärmt, kann ein einziges Weibchen für bis zu eine Milliarde Nachkommen pro Saison sorgen. Gelsen-Spezialist Bernhard Seidel rät daher, jetzt noch einmal einen aufmerksamen Rundgang zu unternehmen und bei Bedarf vom Fliegenpracker Gebrauch zu machen.

Mediziner warnen, dass die Blutsauger - nicht zuletzt durch die Klimaerwärmung - auch bei uns zu einem hygienischen Problem werden könnten. Erst kürzlich haben Wissenschafter der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) gemeldet, dass das durch Gelsen übertragene West Nil Virus erstmals auch in Österreich nachgewiesen wurde. Infektionen wurden 2008 bei Vögeln festgestellt, im Prinzip ist der festgestellte Erreger-Typ aber auch für andere Tiere und Menschen eine Bedrohung. Auch beim vor wenigen Jahren grassierenden Amselsterben handelte es sich um eine Viruserkrankung, die durch Gelsen übertragen wird.

In menschlichen Behausungen überwintern - nomen est omen - die sogenannten Hausgelsen hauptsächlich aus der Gattung Culex. Befruchtete Weibchen suchen im Herbst geschützte Stellen auf, in der Natur sind es etwa Höhlen oder Spalten, und überdauern dort die kalte Jahreszeit. Gestochen und Blut gezapft wird in dieser Zeit kaum, hat Seidel schon vor einiger Zeit herausgefunden. Die Tiere bleiben auch während wärmerer Phasen weitgehend inaktiv.

Die äußerst nahrhafte Blutmahlzeit von vergangenen Herbst reicht in der Regel nicht nur, um das Weibchen über den Winter zu bringen. Sobald es warm wird, legt die Stechmücke den Grundstein für die erste Generation an Nachkommen. Die Eier werden dabei in Wasser abgelegt, es reicht eine Pfütze, eine Regentonne oder auch eine Gießkanne mit Restwasser darin. Die Entwicklung vom Ei zur fertigen Gelse ist stark von der Temperatur abhängig und variiert zwischen Wochen und wenigen Tagen. In entsprechend warm-feuchten Sommern kann so die Nachkommenschaft im Laufe eines Sommers in die Milliarden gehen.

Eine ganz andere Strategie verfolgen die sogenannten Überschwemmungsgelsen. Diese überdauern kalte und auch trockene Perioden als Eier. Bei entsprechend günstigen Bedingungen können sich binnen weniger Tage riesige Mengen entwickeln.
(apa/red)

13.3.2009 11:53