Milchbauern müssen um Existenz fürchten:
Lage am Markt wird immer dramatischer
- Wirtschaftskrise lässt Nachfrage zunehmend sinken
- Molkerei-Manager: "Es ist zu viel Milch am Markt!"

·Österreicher zahlen bei Diskontern drauf!
Lebensmittel deutlich teurer als in Deutschland
Die weltweite Konjunkturkrise ist im Kuhstall angekommen. Hauptursache für den schlechten Erzeugermilchpreis ist die merklich zurückgegangene Nachfrage der Konsumenten nach Milch und Milchprodukten in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten. "Es ist zu viel Milch am Markt", bringt es ein Molkerei-Manager auf den Punkt.
Seit vergangenen Herbst entwickelt sich der Milchmarkt denkbar ungünstig für die Branche. Das Resultat sind eine Rückkehr der Butterberge und Milchseen sowie ruinöse Preise für die Milchbauern. Österreich produziere mehr Milch als es braucht - Übermengen, die auf den internationalen Märkten abgesetzt werden müssen, zu Preisen, die sich für die heimischen Milchbauern nicht mehr rechnen.
Wendung am Markt
Die Lage auf dem Milchmarkt hat innerhalb eines Jahres vollkommen gedreht. Hat man noch vor einem Jahr in China und ganz Ostasien große Exportzuwächse seitens der EU erwartet, ist dieser Optimismus angesichts von Wirtschaftskrise und Melamin-Skandal geschwunden. Zudem macht die Dollarkurs-Entwicklung Exporte in Drittländer schwierig. Gleichzeitig haben die Bauern die Produktion ausgeweitet, weil das Milchgeschäft im Vorjahr sehr lukrativ war.
All dies geschieht vor dem Hintergrund, dass ab 2015 die Milch-Mengenbeschränkungen in der EU endgültig fallen. Bis dahin dreht Brüssel den Milchhahn schrittweise auf und erhöht die Quoten. Es kommt also deutlich mehr Milch auf den Markt - mit entsprechenden Auswirkungen auf den Bauernmilchpreis. Zur sinkenden Nachfrage kommt der große Preiskampf der Handelsketten bei Milchprodukten.
Existenzkampf der Bauern
Bis zum Sommer werden Preise von 25 Cent erwartet. Damit kämpfen viele Bauern um ihre Existenz. Denn für einen durchschnittlichen Betrieb mit einer jährlichen Liefermenge von 50.000 Kilogramm bedeutet das ein Minus bei den Einnahmen von 7.500 Euro.
In Österreich gibt es derzeit noch rund 42.000 Milchbauern. Seit dem EU-Beitritt haben 36.000 Höfe, die ihr Einkommen vorwiegend aus der Milch beziehen, zugesperrt. Ab April haben weitere 400 Milchbauern keinen Abnehmer mehr.
(apa/red)
