Sonntag, 15. März 2009

OPEC wird doch nicht am Ölpreisrad drehen:
Öl-Fördermenge bleibt vorerst unverändert

  • Exporteurländer gaben in Wien Beschluss bekannt
  • Russland arbeitet enger mit der OPEC zusammen

Die OPEC-Länder wollen die Öl-Förderung zunächst nicht weiter kürzen und damit die Weltwirtschaft inmitten der Krise nicht zusätzlich belasten. Allerdings sollen die bereits 2008 beschlossenen Kürzungen nun konsequenter umgesetzt werden. Die Produktion ist noch nicht um die für das letzte halbe Jahr beschlossenen 14 Prozent auf 24,845 Mio. Fass pro Tag gesenkt worden.

Nach Angaben aus Katar besteht noch Luft für eine Kürzung von bis zu 800.000 Fass (je 159 Liter). Der weltweit zweitgrößte Ölexporteur Russland kündigte in Wien eine engere Zusammenarbeit mit der OPEC an und macht Vorschläge, um eine weitere Öl-Verbilligung zu verhindern. Das nächste OPEC-Treffen findet, ebenfalls in Wien, am 28. Mai statt.

Der Ölpreis war Mitte 2008 auf fast 150 Dollar je Fass geklettert, brach dann aber im Strudel der Wirtschaftskrise auf unter 40 Dollar ein. Derzeit kostet das Fass US-Öl um die 46 Dollar, der OPEC-Korbpreis ist zuletzt auf 42,14 Dollar (32,65 Euro) gesunken.

Eine Drosselung der Fördermengen soll das Angebot am Markt verknappen und somit die Ölpreise in die Höhe treiben. Für Verbraucher kann das das unter anderem höhere Benzinpreise und mit Verzögerung auch höhere Gaspreise bedeuten, da die Gaspreise an die Ölpreise gekoppelt sind. Einige Förderländer sind nach eigenen Angaben dringend auf höhere Öl-Einnahmen angewiesen, um die Lebensbedingungen für ihre Bürger zu verbessern. Die OPEC-Länder zeichnen für etwa ein Drittel der weltweiten Ölproduktion.

Minister plädierten für Einschränkung
Schon vor den Beratungen in Wien hatten mehrere Minister der OPEC-Länder dafür plädiert, die bereits beschlossenen Kürzungen von 4,2 Mio. Barrel pro Tag konsequenter einzuhalten. Dies hatte etwa der saudiarabische Ölminister Ali al-Naimi gefordert, dessen Land der weltgrößte Ölexporteur ist. Der Zeitung "al-Hajat" sagte er, eine neue Kürzung der Fördermenge hätte höhere Preise zur Folge und verhindere eine Gesundung der Weltwirtschaft.

Dagegen hatte Algeriens Energieminister Chakib Khelil sowohl die Einhaltung der beschlossenen Drosselung als auch weitere Kürzungen gefordert. Der Markt habe bereits eine Reduzierung von weiteren 500.000 Mio. Fass am Tag eingepreist, sagte er. Werde dies nicht beschlossen, falle der Ölpreis wieder. Nach Angaben der OPEC haben die 12 Mitgliedsländer die angeordneten Quotensenkungen zu knapp 80 Prozent eingehalten. Bis zum nächsten Meeting Ende Mai soll das OPEC-Sekretariat überprüfen, wie sich die bisherigen Quotensenkungen auf den Ölpreis auswirken, sagte OPEC-Sprecher Omar Ibrahim.

Russland nahm an Sitzung teil
An der Sitzung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) nahm als Beobachter auch der stellvertretende russische Ministerpräsident Igor Setschin teil. Russland ist zweitgrößter Ölexporteur der Welt, aber kein OPEC-Mitglied. Setschin schlug der OPEC unter anderem eine Reduzierung der Fördermenge vor. Laut Redetext sagte er, die Produktion in seinem Land sei im Januar und Februar um rund zwei Prozent gefallen. Russland spiele schon eine Rolle bei den OPEC-Versuchen, die Produktion zurückzufahren. Analysten bezweifeln diese Darstellung aber. Die Produktion in Russland sei nicht wegen einer geänderten Politik rückläufig, sondern wegen fehlender Investitionen in die Infrastruktur, sagte David Kirsch von PFC Energy.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen Russland und den zwölf OPEC-Mitgliedern schürt bei Abnehmern wie Deutschland Sorgen vor der Macht des Kartells. Vor allem europäische Staaten, die vor kurzem noch von dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine betroffen waren, beobachten die Annäherungen deshalb genau.
(apa/red)

15.3.2009 17:54