Sonntag, 15. März 2009

Postbank-Direktor arbeitet für einen Euro:
Wolfgang Klein will damit ein Zeichen setzen

  • Konzern-Chef kassierte letztes Jahr Millionen-Boni
  • Bank machte im gleichen Zeitraum 821 Mio. Verlust

Nach der Kritik an den Bonuszahlungen in Millionenhöhe für den Vorstand der Deutschen Postbank im Verlustjahr 2008 hat sich der Konzern-Chef der Bank, Wolfgang Klein, zu einem nahezu kompletten Gehaltsverzicht bereiterklärt. "Ich werde dem Aufsichtsrat der Postbank anbieten, in diesem Jahr für einen Euro zu arbeiten", sagte er der "Bild"-Zeitung. Damit wolle er deutlich machen, "dass es mir in dieser Situation nur um das Wohl der Bank geht und nicht um meine Interessen".

Die Postbank-Vorstände erhielten im Zuge der Teilübernahme durch die Deutsche Bank Sonderboni in Höhe von rund 11,9 Mio. Euro. Der Zuschuss war bereits im Mai vergangenen Jahres vereinbart worden, um das Postbank-Management zu halten. Klein verdiente laut Geschäftsbericht 3,3 Mio. Euro, 2,4 Mio. davon als Sonderbonus. Für den gleichen Zeitraum hatte das Unternehmen einen Verlust von 821 Mio. Euro gemeldet.

Die Zahlungen lösten eine Welle der Kritik aus. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte, er wünsche sich generell "ein höheres Maß an Sensibilität". Die Bonuszahlungen seien "falsche Nachrichten zur falschen Zeit".

"Mit ganzer Kraft für die Bank einsetzen"
Klein erklärte: "Tausende von Mitarbeitern der Postbank machen jeden Tag einen Super-Job. Sie haben es nicht verdient, dass diese Bank durch die Diskussion der letzen Tage in ein schiefes Licht gerät." Die Diskussion habe ihn sehr getroffen, ändere aber nichts daran, dass er sich "mit ganzer Kraft für die Bank einsetze".

Verständnis für die Kritik hat Klein allerdings nicht. Das Gehaltsgefüge der Postbank sei "sehr moderat", es gebe keine Aktienoptionen, sagte er laut Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Bank sei "kein Täter, sondern eher ein Opfer der Finanzkrise".

Auch den Sonderbonus verteidigt er. Es gab ihn laut Klein für eine der "ungewöhnlichsten Unternehmensverkaufsprozesse der jüngeren Geschichte". Man habe "nächtelang und übers Wochenende gearbeitet". Im Mai sei der Aufsichtsrat zum Entschluss gekommen, den Vorständen eine Halteprämie "für die erfolgreiche Begleitung des Verkaufsprozesses" zu zahlen. Die Arbeitnehmervertreter stimmten dagegen, doch der neue Post-Chef und Aufsichtsratsvorsitzende Frank Appel setzte sich im Präsidialausschuss durch.
(apa/red)

15.3.2009 09:50