Sonntag, 15. März 2009

Ermittlungen nach Amoklauf dauern an:
Polizei vernimmt Schüler, Lehrer und Zeugen

  • War der Amokläufer in psychiatrischer Behandlung?
  • Vater des Täters wegen seiner Waffe unter Druck

Nach dem Amoklauf mit 16 Toten im deutschen Winnenden dauern die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zum Tatmotiv und dem genauen Ablauf an. 30 Beamte seien auch am Wochenende mit Befragungen von Schülern, Lehrern oder sonstigen Augenzeugen der Tat beschäftigt, sagte der Sprecher der zuständigen Polizei in Waiblingen, Klaus Hinderer.

Ermittler des Landeskriminalamts werteten auch weiter den Computer des Täters Tim K. aus. Es sei aber nach wie vor unklar, ob die Ankündigung der Tat in einem Internet-Chat echt oder gefälscht sei, sagte Hinderer.

Am Samstag hatten Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Tim K. eine große Zahl von Pornobildern auf seinem Computer hatte. Darunter hätten sich auch sogenannte Bondagebilder befunden, die nackte gefesselte Frauen zeigten. Ebenfalls seien die Schießspiele "Counterstrike" und "TacticalOps" auf dem Rechner installiert gewesen.

Keine gesicherten Hinweise gebe es dafür, dass der Amokschütze aus Winnenden das Killerspiel "Far Cry 2" exakt am Abend vor der Tat gespielt habe, wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet. Die Zeit, zu der er den PC ausschaltete, angeblich 21.40 Uhr, könne ebenfalls nicht bestätigt werden.

Rätsel um psychiatrische Behandlung
Trotz eines Dementis der Eltern bleiben Polizei und Staatsanwaltschaft bei ihrer Aussage, dass Tim K. mehrmals in einer psychiatrischen Klinik vorstellig geworden sei, wie Hinderer der AP sagte. Die Eltern hatten am Samstag über ihren Anwalt erklärt, Tim K. sei niemals in psychotherapeutischer Behandlung gewesen.

Hintergrund des Begriffsstreits könnte sein, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Vater des Amokläufers prüft. Denn sollte bei Tim K. eine "Amokneigung" ersichtlich gewesen sein, könnte sich der Vater der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht haben, weil er eine seiner Waffen nicht im Tresor, sondern im Schlafzimmer aufbewahrt hatte, und Tim diese Pistole für das Massaker verwendet hatte.

(apa/red)

15.3.2009 09:30