Verschlossen, freundlich und eiskalt: Die doppelte Identität des Amokläufers Tim K.
- Depressiver Waffennarr: Teenie war psychisch krank
- Mitschüler: "Saß den ganzen Tag vor dem Computer"
Täter wurde "einfach von niemandem akzeptiert"
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"Morgen früh werde ich richtig gepflegt grillen"
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9:30 Uhr: Der 17-jährige Tim K. eröffnet das Feuer
·Blutige Amokläufe an Schulen und Unis
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In 99 Prozent der Fällen sind Männer die Täter

Verschlossen, unauffällig und freundlich - aber auch verzweifelt, eiskalt und psychisch krank. Der 17 Jahre alte Amokläufer, der an der Albertville-Realschule im schwäbischen Winnenden und auf der anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst getötet hat, war ein depressiver Waffennarr. In einem Internet-Chat kündigte Tim K. seine grausame Tat kaltblütig an. Doch dabei wird auch seine Verzweiflung deutlich: "Ich habe dieses Lotterleben satt. Immer dasselbe. Alle lachen mich aus. Niemand erkennt mein Potenzial. Ich meine es ernst. Ich habe eine Waffe."
Tim K. war ein geübter Sportschütze. Seinen Vater, ein mittelständischer Unternehmer und Mitglied im Schützenverein, begleitete er oft zu Schießübungen. In seinem Zimmer bewahrte der Schüler zudem mehrere Luftwaffen auf. "Manchmal auf dem Spielplatz hat er mit anderen aus der Klasse oder aus der Umgebung aufeinander geschossen", sagt Mario H., ein ehemaliger Mitschüler des 17-Jährigen dem Radiosender Hit-Radio Antenne. Im Keller soll der Vater von Tim K. einen Schießübungsraum eingerichtet haben.
"Von niemandem akzeptiert"
Noch dazu verbrachte Tim K., der eine drei Jahre jüngere Schwester hat, in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen am Computer. Auf seinem Rechner entdeckte die Polizei das Spiel Counterstrike - und auch einige Pornobilder. "Er wurde einfach von niemandem akzeptiert, saß den ganzen Tag eigentlich nur daheim vor dem Computer", sagt auch Mario H..
Tim K. war leidenschaftlicher Tischtennisspieler und machte seit etwa drei Jahren Kampfsport. Er hatte einige wenige freundschaftliche Kontakte und schwärmte eine Zeit lang für ein Mädchen aus der Nachbarschaft. Alles deutet auf einen normalen Teenager hin. "Bei dem hat man nichts Schlimmes gemerkt", sagt ein Jugendlicher aus dem Heimatort des Täters Leutenbach-Weiler zum Stein. Tim K. sei zwar immer wieder von Gleichaltrigen geärgert worden, habe das aber runtergeschluckt, fügt der Jugendliche hinzu.
Psychisch krank
Doch der Amokläufer war psychisch krank. Mehrmals wurde er wegen Depressionen in einer Klinik behandelt. Eine geplante ambulante Behandlung trat der 17-Jährige jedoch gar nicht erst an. Seine wohlhabenden Eltern wussten von seiner Krankheit - trauten ihrem behüteten Sohn eine solche Tat nach Polizeiangaben aber nicht zu.
Kultusminister Helmut Rau (CDU) vermutet Medienberichten zufolge, dass der 17-Jährige "eine doppelte Identität" hatte - "dabei ist die zweite verborgen geblieben." Tim K. sei "lernschwach", aber an der Schule nie auffällig gewesen. Er hatte im vergangenen Sommer seinen Abschluss an der Schule gemacht und war dann auf einem kaufmännischen Berufskolleg in Waiblingen gewesen. Seine Noten waren mehr oder weniger durchschnittlich.
(apa/red)
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