"Ich meine es ernst - ich habe Waffen":
Tim K. hat Amoktat im Internet angekündigt
- "Morgen früh werde ich mal so richtig gepflegt grillen"
Jugendlicher war wegen Depressionen in Behandlung - Computer ausgewertet: Killerspiele und Pornografie
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Winnenden: Idylle vor den Toren Stuttgarts

Der Amokläufer von Winnenden stellt die deutsche Polizei weiterhin vor Rätsel. Tim K. sei ein verschlossener und stiller Mensch gewesen, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Siegfried Mahler. Er habe nicht viele, aber einige freundschaftliche Kontakte gehabt, auch eine harmlose Freundschaft mit einem Mädchen. Doch hinter der unscheinbaren Fassade des 17-Jährigen sah es offenbar ganz anders aus. Für den Landespolizeipräsidenten Baden-Württembergs, Erwin Hetger, entsprach er dem Profil eines klassischen Amokläufers.
Tim K. litt unter Depression und war deshalb im Jahr 2008 mehrere Monate lang in stationärer psychiatrischer Behandlung. In einem Internet-Chat kündigte er seine Tat an, schrieb laut Polizei an einen Gleichaltrigen aus Bayern: "Scheiße Bernd, es reicht mir, ich habe dieses Lotterleben satt, immer das selbe - alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial. Ich meine es ernst Bernd - ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und so mal richtig gepflegt grillen." In dem Chat nannte der Amokläufer auch Winnenden als den Ort für die Tat. Dort wütete er dann wenige Stunden später an der Albertville-Realschule, tötete acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen.
Der junge Mann, der die Schule vergangenes Jahr abgeschlossen hatte, verbrachte viel Zeit am Computer. "Er beschäftigte sich auch mit Gewaltspielen", sagte Mahler. Unter anderem auch mit "Counterstrike", einem Spiel das als gewaltverherrlichend kritisiert wird. Auch Pornobilder habe man auf dem Rechner von Tim K. gefunden.
Schießen vom Vater gelernt
Mit Waffen konnte er umgehen, wie der zuständige Innenminister des deutschen Bundeslandes, Heribert Rech, berichtete. Er sei ein guter Schütze gewesen. Schießen lernte er offenbar von seinem Vater. Er sei Gastschütze in dem Verein seines Vaters gewesen. Die Wirtin des Vereinsheims beschrieb Tim K. als freundlich und unauffällig. Die Familie des Täter war gut in das Vereinsleben ihres Heimatortes integriert. Da beteiligte er sich am Armdrücken.
Die Depressionen des jungen Mannes sollten ambulant in einer psychiatrischen Klinik in der Nähe der Schule weiterbehandelt werden, sagte Mahler. Auf der Flucht erschoss Tim K. einen Klinikbeschäftigten. Einen Zusammenhang gebe es aber nicht.
(apa/red)
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