Donnerstag, 12. März 2009

NEWS: Wie man Kinderseelen zerstört -
"Frühlings Erwachen" als tolles Rock-Musical

  • Stemberger verkörpert grausame Erwachsenenwelt
  • Wedekinds Theaterskandal kommt ans Ronacher

Vor der nackten Backsteinwand zerwühlt der Gefühlssturm die Seelen der pubertierenden Jugendlichen. Die Mauer symbolisiert die Welt der Erwachsenen, an deren Unverstehen Hoffnung und Begabung zerschellen. Das Ensemble spielt sich die Seele aus dem Leib. Außer seiner Hingabe braucht es auf der Bühne nur ein Keyboard, zwei Gitarren, Streicher, Bass und Drums. Sonst nichts.

Auch keinen Transfer ins Heute. Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" war zur Uraufführung anno 1891 ein Theaterskandal. Letale Abtreibung an einer Vierzehnjährigen, autoerotische Triebabfuhr, Schülerselbstmord, latent homosexuelle Atmosphäre in der Knabenklasse, sadistisch aufgeladene pädagogische Bestrafungsrituale: Das ist so heutig wie damals, und die fabelhaften Songs von Duncan Sheik passen dazu, als wären sie vor 118 Jahren geschrieben worden. Das Rockmusical "Frühlings Erwachen" feierte schon Siege in New York und London. Jetzt kommt die Inszenierung ans Ronacher.

Die weibliche Erwachsenenwelt wird in fünf Identitäten von Julia Stemberger verkörpert. Vierundvierzig ist sie jetzt, doch es erscheint wie gestern, dass sie selbst Inbegriff und Ziel pubertärer Sehnsüchte war: Mit neunzehn destabilisierte sie in der erotischen Komödie "Herzklopfen" flächendeckend die Gefühlswelten. Sie war Taboris Desdemona und Zadeks Jessica im "Kaufmann von Venedig", ein mittlerer Tumult im Rotlichtschinken "Der König von St. Pauli" und die Eliza Doolittle der Volksoper.

Jetzt, wo sie es ruhiger angeht, kehrt sie zum Musical zurück. Und das Musical, für das sie Kathrin Zechner zugesagt hat, ist keineswegs mit dem heute obwaltenden Malheur zu verwechseln. "Das Bühnenbild wird für uns nichts erledigen, was wir nicht machen", grenzt sie sich von aufgedonnerter Wegwerfware ab. "Es gibt keine riesigen Showeffekte. Was wir nicht energetisch mit unserer Spielfreude auf die Bühne bringen, wird nicht stattfinden."

Das Thema ist zeitlos: "Es haben sich nur die äußeren Vorzeichen geändert. Man findet Lehrer, die als Menschen so wenig weit sind, dass sie leider nicht anders können, als Schüler zu quälen. Es gibt nach wie vor Erwachsene, die eine große Hemmung haben, über das sensible Thema der Sexualität zu sprechen. Nur das Marktschreierische der heutigen Sexualität steht im Ungleichgewicht zu dem, was Sexualität für jeden Einzelnen an intimen Schritten bedeutet." Das Missbrauchsthema wird nicht ausgespart: "Es ist erschreckend, wie groß die Zahl derer ist, deren gan-zes Leben davon bestimmt wird. Wenn das in einem coolen Musical angerührt wird, werden viele den Atem anhalten."

LESEN Sie in NEWS 11/09 mehr: Über Stembergers Wechsel vom Tochter- ins Mutterfach, ihre erste TV-Rolle und die Lehrer-Debatte!

12.3.2009 14:37

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

Regie: Barry Sonnenfeld

Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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