Ein Weltstar aus Österreich: Kirchschlager als Carmen wider aller Unzukömmlichkeiten
- NEWS: Der allürenfreie Star aus der Heimat
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Andere hätten unter solchen Umständen nicht die Blume gen Don José, sondern das Handtuch geworfen: Der vorgesehene Regisseur Jürgen Gosch wurde von einer Krebserkrankung niedergeworfen und sagte wenige Wochen vor der Premiere ab. Das fertige Bühnenbild wurde weggeworfen, Peter Beauvais' 30 Jahre alte Inszenierung vom Abendspielleiter in eine Art Aufführbarkeit rückversetzt. Wiewohl notdürftig frisch gestrichen, nimmt sich das Bühnenbild aus, als wäre es einem Fundus mit Mottenbefall entnommen.
Angelika Kirchschlager aber leuchtet durch alle Unzukömmlichkeiten. Sie singt und spielt keine nymphomane Sexbombe, sondern mit wunderschön geführter, schlanker und doch tragender Stimme das Porträt einer selbstbestimmten Frau, die am Ende im pinkfarbenen Torerokostüm stolz ihrem Mörder entgegentritt. Die ungeheuer intensiv gestaltete Kartenarie wird zum Höhepunkt des Abends.
Rundum herrscht nur in Einzelfällen mehr als Verlässlichkeit: Yves Abel dirigiert ordentlich, und der Italiener Massimo Giordano stellt mit lyrischem, ausdrucksstarkem Tenor einen glaubhaften Widerpart zur alles überragenden Carmen. Raymond Acetos Escamillo hat dagegen nicht mehr als rüpelhaft outrierten Macho-Manierismus und gesangliches Mittelmaß vorzuweisen. Michaela Kaunes Micaela spart an Ausdruck und Charme. Wer dem Haus eine Krise nachsagt, geht sicher nicht fehl.
LESEN Sie das Interview mit Angelika Kirchschlager über das Debüt ohne Regisseur, den Opernbetrieb, ihre Ängste und ihre Pläne für Wien in NEWS 11/09!

