Dienstag, 10. März 2009

'Sehr, sehr interessantes Modell': Befristete
Zwei-Jahres-Regel bei Lehrer-Mehrarbeit?

  • Schmied lässt mit neuem Vorstoß aufhorchen
    Koppelung an neues Dienst- und Besoldungsrecht?
  • PLUS: Konsens für Kanzler Faymann keine Bedingung

Unterrichtsministerin Claudia Schmied kann sich vorstellen, die von ihr geplante Anhebung der Unterrichtsverpflichtung der Lehrer um zwei Stunden auf zwei Jahre zu befristen. Dies sei ein "sehr, sehr interessantes Modell", erklärte sie in der ORF-Sendung "Report".

Sie würde dann "sogar noch einen Schritt weiter gehen", meinte die Ministerin und eine solche Befristung an ein neues Dienst- und Besoldungsrecht ankoppeln. Letzteres solle "uns auch ein bischen wegbringt von dem Denken in Stunden und Minuten". Das neue Dienstrecht könnte in den zwei Jahren der Befristung entwickelt werden. Dies sei "durchaus" als Angebot an die Standesvertretung der Lehrer zu verstehen, sagte sie auf eine entsprechende Frage.

Faymann hinter Schmied
Bundeskanzler Faymann hatte sich zuvor voll hinter Unterrichtsministerin Schmied gestellt. Gleichzeitig machte der SPÖ-Chef klar, dass die Reform auch gegen den Widerstand der Belegschaftsvertreter durchgezogen werden könnte. Schön wäre eine gemeinsame Lösung, es müsse aber dabei garantiert sein, dass die Ministerin ihre Reformvorhaben auch umsetzen könne.

Die Ministerin selbst zeigte sich vor den Verhandlungen mit den Lehrern und den Dienststellenversammlungen der Pädagogen zurückhaltend. Sie beharrte auf ihrer Position, dass entweder zwei Stunden mehr Unterrichtszeit oder adäquate andere Sparmaßnahmen durchgeführt werden müssten. Konkreter wollte sie vor den Gesprächen mit der Gewerkschaft nicht werden.

Dienststellenversammlung
Vor den am Donnerstag stattfindenden Dienststellenversammlungen informierte sie die Lehrer, dass die Versammlungen "tunlichst ohne Störung des Dienstbetriebs", also ohne Entfall von Unterrichtsstunden, durchzuführen seien. Jenen Bediensteten, "die nicht zur Aufrechterhaltung des notwendigen Dienstbetriebs erforderlich sind", sei aber die Teilnahme an den Versammlungen zu ermöglichen. Die Betreuung der Kinder bis zur 8. Schulstufe müsse jedenfalls gewährleistet sein.

Bei den Dienststellenversammlungen wollen die Personalvertreter die Lehrer über die von Schmied geplante Ausweitung der Unterrichtspflicht um zwei Stunden informieren. Für Pflichtschüler endet der Unterricht deshalb bereits um elf Uhr, an AHS und Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen entfallen die beiden ersten Stunden.

(apa/red)

10.3.2009 22:52
hary1965, 11. 03. '09 13:00
Internet für alle
Die Schreiber (Lehrer) hier denken jeder Mitarbeiter hat automatisch Anspruch auf einen Internetanschluß? Ein Internetanschluß für ca. 5-10 Lehrer sollte genügen um Neuigkeiten zu finden, ansonsten sollten sie leiber mit den Schülern arbeiten und diese betreuen, der Steuerzahler zahlt Lehrer nicht für das herumsitzen und Internetsurfen, sondern dass sie ihre Arbeit machen. Sind ein wenig verwöhnt die lieben Lehrer und sollte sich mal in der freien Wirtschaft umschauen wie sich Leute ihr Geld verdienen, dass wäre eine gute Bassis für den Beruf
Heldoras, 11. 03. '09 13:58
Re: Internet für alle
Herr Hary1965,

Bravo für eine so top informierte Meinung! Haben Sie Kinder, wenn ich so indiskret fragen darf? Stellen Sie sich einmal 24 solcher lieben Kleinen vor, am Besten Kinder mit speziellen sonderpädagogischen Bedürfnissen - und dann vergleichen Sie evtl. noch Ihren Lohnscheck mit dem meinen (so viel vorab, Nachmittagsbetreuung heißt 50% Gehalt bei 100% Arbeit!), und dann denken Sie nochmals über Ihren Kommentar nach.
Ich bin gerne bereit, Ihnen meine "Lieben Kleinen" einige Nachmittage für dasselbe Geld zu überlassen. Nur soviel: Die Wenigsten halten das in der Sonderschule aus, selbst wenn sie ausgebildet sind. Erleben, dann schimpfen - das sollte eigentlich für jede Berufsgruppe gelten. Ich gehe ja auch nicht her und mache Ihre Berufsgruppe schlecht!
hary1965, 11. 03. '09 14:28
Re: Internet für alle
Es geht nicht um Internet für Schüler, dass ist ohnehin geregelt, sondern um einen Anschluß für jeden Lehrer. Wenn jeder Lehrer einen eigenen Anschluß möchte sollte er einfach einen Rechner kaufen und eine Wertkarte, wie andere Arbeitnehmer auch die keinen eigenen Anschluß haben und mit anderen teilen müssen. Es geht auch nicht eine Berufsgruppe schlecht zu machen, es gibt bestimmt gute und motivierte Lehrer und es gibt Minimalisten die eben von der Gewerkschaft vertreten werden. Ich kenne genug Lehrer um mir ein Bild zu machen und habe einige Zeit auf einer Uni unterrichtet aber mit 5 Wochen Urlaub und Vorbereitungszeit nach 18 Uhr, neben Forschungsarbeiten. Nun als Selbstständiger arbeite ich noch länger und muß meine Steuern abliefern
Heldoras, 11. 03. '09 17:55
Re: Internet für alle
Lehrer kennen und Lehrer sein - das sind zwei Paar Schuhe. Und Uni mit (Pflicht-)Schulunterricht zu vergleichen, das geht ungefähr so gut wie Freundin mit Ehefrau in einen Topf zu werfen. Schon möglich, dass es Ähnlichkeiten gibt. Aber sowohl Bezahlung, als auch Aufwand und Interaktionspotential mit den Kleinsten unseres Landes sind sicher nicht annähernd mit einer Uni vergleichbar.
Realitäten im Bezug auf Internet sehen ohnehin so aus, dass nahezu jede(r) sich sein eigenes Kasterl und seinen eigenen LAptop mitnehmen muss, denn für 30 LeherInnen wie etwa an meiner Schule gibt es sage und schreibe 3 PCs und einen für die Frau Direktor.

Außerdem finde ich es interessant, dass zwar alle finden, die Lehrer haben's so schön, aber Lehrer werden will dann doch keiner...warum wohl?
enibas63, 11. 03. '09 19:31
Re: Internet für alle
Wieder einmal einer, der ja sooooo gut über alles Bescheid weiß. Dir dürfte nicht bekannt sein, dass die ganze Schülerverwaltung, Anmeldung zu Kursen, SBX - Teile von Schulbüchern, vor Zeugnissen die ganze Notenverwaltung und und und und und, nur mehr über das Internet zu machen ist. Bei uns an der Schule gibt es im Moment genau 2 funktionierende PCs für 40 Lehrer. Das heißt im Klartext, wenn man als Klassenvorstand oder auch als normaler Lehrer nicht seinen Laptop mitbringt, braucht man eine gute Portion Glück, alle diese Arbeiten erledigen zu können. (Ich hab meinen Laptop nur aus diesem Grund überhaupt angeschafft). Und nun möchte ich wissen, in welcher Firma das üblich ist, dass die Angestellten ihre eigenen Arbeitsmittel mitbringen.
hary1965, 13. 03. '09 10:12
Re: Internet für alle
Einen eigenen Laptop zu haben wird einen Lehrer sicher zumutbar sein (am Gebrauchtmarkt 2 Jahre alt Kosten ca. 80 euro), das gibt es in vielen Firmen das man Eigenmittel benötigt, sowas ist schon lange üblich. Arbeitszeitregelungen aus der Nachkriegszeit gehören nun verändert. Lehrer wissen leider nicht wie sich das Leben verändert hat, das gilt auch für Schüler und alle anderen. Alle Berufsgruppemmüssen nun Verschlechterungen in Kauf nehmen um ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Wenn der Lehrerberuf so schlecht ist frage ich mich warum die meisten ein Lehramt studieren und so viele Lehrer werden wollen?? Es kann doch jeder kündigen und was anderes machen!
blubbl10, 11. 03. '09 07:15
Aufregung?
Soll der angedachte "All in" Vertrag für Lehrer doch kommen! Dann brauche ich auf meinem Platz einen PC mit Internetzugang, bleibe von 7.30 bis 15 Uhr in der Schule und habe meinen Dienst samt Vor- und Nachbereitungen erledigt. Wird sich zwar nicht ausgehen, aber das wäre dann Pech, denn die 38,5h sind erledigt. Für außerschulische Aktivitäten (Schikurs, Elternabende, ...) müssten die Lehrer dann eigentlich Überstunden (Zeitausgleich) erhalten. Dann zerreisst es die Regierung finanziell oder es wird nichts mehr angeboten. Ich freue mich schon!
Ulf01, 11. 03. '09 07:33
Re: Aufregung?
Nein, die Regierung zerreisst es finanziell bestimmt nicht. Sie haben ja immer noch rund 8 Wochen mehr Urlaub als alle anderen die sie einarbeiten können.
blubbl10, 11. 03. '09 08:11
Re: Aufregung?
Natürlich bleiben wir auch in den Sommerferien 4 Wochen in der Schule. Dann schau ma mal!
hary1965, 11. 03. '09 12:22
Re: Aufregung?
Dieser Kommentar zeigt das Problem, völliger Realitätsverlust, solche Lehrer gehören gekündigt, dann sollte dieser angebliche Lehrer eben auch nur 5 Wochen Urlaub haben und 14 - 5 Wochen also 9 Wochen seine Überstunden auf der Schule einarbeiten, wenn er es dann noch immer schaft scheint es am Arbeitseifer, Ausbildung oder sonstigen Fähigkeiten einen Mangel zu geben. Kein Wunder das Schüler ein derartiges Niveau haben, bei solchen Lehrern, jeder Betrieb würde mit solchen Personen sofort Pleite gehen, bald auch die Republik Österreich, daher muß hier schnell etwas passieren sonst werden mal die Steuerzahler streiken
enibas63, 11. 03. '09 19:38
Re: Aufregung?
Lieber Hary 1965: Du solltest vielleicht nicht vergessen, dass auch die Lehrer zu den Steuerzahlern gehören. Ganz Österreich tut hier, als wären Lehrer Leute, die keine Steuern zahlen und für Nichtstun die Steuern der anderen einheimsen. Ich kenne solche Leute, aber Lehrer sind das keine, sondern arbeitsscheues Gesindel, das von uns allen finanziert wird. Da schreit keiner auf. Wie seltsam.
Ulf01, 11. 03. '09 06:49
Nachhilfestunden
Stellen sie sich vor ein Bauunternehmer verputzt ihr Haus, der Putz fällt herunter und sie müssen Pfuscher bezahlen damit der Schaden saniert wird - undenkbar? Nicht bei den Lehrern! Die mangelhafte Arbeit die sie am Vormittag leisten müßen viele Eltern am Nachmittag mit Nachhilfestunden reparieren. Bei zwei Stunden mehr in der Schule hätten sie dann natürlich weniger Zeit dafür.
blubbl10, 11. 03. '09 07:03
Re: Nachhilfestunden
Dein Baumeister beginnt mit der Arbeit gar nicht, wenn deine Mauer nicht den nötigen Aufbau besitzt.
rudi18, 11. 03. '09 08:21
Re: Nachhilfestunden
meine Schüler brauchen keine Nachhilfe!

aber:
- ich habe Schüler, die in die Nachhilfe geschickt werden, weil sie bei der SA einen 2er haben. "Meine Mama will einen 1er"
- ich habe Schüler, die im Unterricht nicht aufpassen (solche soll es ja geben), weil ... "Ich mach das alles eh auch mit meiner Nachhilfe"
- ich habe Schüler, die brauchen Nachhilfe, da zuhause den ganzen Tag der Fernseher läuft (Papa sieht fern!)

Alle anderen brauchen keine Nachhilfe! Für viele Eltern ist es aber am einfachsten, wenn sie mit der HÜ nichts zu tun haben, und daher eine Nachhilfe in Anspruch nehmen. Den Kindern wäre aber mehr geholfen, wenn sich die Eltern 1x am Tag 5 min Zeit nehmen und sich dafür interessieren, was ihr Kind macht. Das würde die Motivation am Lernen steigern, ...
IS46, 11. 03. '09 15:47
Re: Nachhilfestunden
Völlig wertfrei möchte ich Folgendes berichten: Es wurde die Bitte an mich gerichtet, einer Schülerin (in Österr.geboren, mit türkischen Wurzeln) der 1.Kl.der Neuen Mittelschule Nachhilfe in Deutsch zu geben. Abgesehen von einem Nichtverstehen des Gelesenen oder Gehörten u. natürlich deren Wiedergabe, der Schwierigkeiten in Grammatik u. Rechtschreibung, ist auch die richtige Einsetzung der Pronomen fast nicht vorhanden. Als Verbesserung der neg. SA bekam das Mädchen den kopierten Text einer Sage in alter Rechtschreibung zum Abschreiben.......
sidestep, 10. 03. '09 20:00
Kein Mitleid
Ich bin von der Sache her auf Seiten der Lehrer, obwohl ich weder Gewerkschafter noch ein Lehrer bin. Aber nirgends sind soviele Parteimitglieder organisiert wie bei den Lehrern (sowohl in der ÖVP als auch in der SPÖ). Wenn sie jetzt keinen Grund sehen, Ihre Parteibücherln zurüchzugeben und aus der Gewerkschaft auszutreten, wann dann. Nur das verstehen kalte Lächler wie Faymann und Schmied aber auch Pröll. Das ist die Sprache, die sie verstehn und die ihnen weh tut!
FXX2, 10. 03. '09 18:00
adäqaute Sparmassnahmen
Wenn Frau BM Schmied ihre Lieblingssteckenpferde Mittelschule, Zentralmatura nicht finanziell bedcken kann, obwohl sie selbst nach den Verhandlungen mit Finanzminister Pröll zufrieden festgestellt hat, dass sie mehr ausverhandelt hat, muss sie auch zurückstecken, wie alle in Krisenzeiten. Vielleicht sollte sie auch sorgsamer mit dem Budget umgehen und nicht um 1440€ aus den Ministeriumsmitteln Kosmetiktermine bezahlen (1440 € ist ein Monatsgehalt eines Junglehrers). Dieser Umgang mit Budgetmitteln lässt böses befürchten, wenn man gleichzietig behauptet nicht mit dem vereinbarten Budget auszukommen
FXX2, 10. 03. '09 18:01
Re: adäqaute Sparmassnahmen
€ = Euro
enibas63, 10. 03. '09 18:10
Re: adäqaute Sparmassnahmen
Und wenns dann auch so gar nichts nützen die Kosmatiktermine, ist das umso bitterer. Aber die Scheiben der neu bestellten BMW Dienstwagen, die nebenbei auch noch zu den umweltbelastendsten gehören, die sind sicher eh getönt.
Heldoras, 11. 03. '09 14:02
Re: adäqaute Sparmassnahmen
1440 Euro ist mehr denn ein Monatsgehalt. Wir in Tirol verdienen 1324 Euro zum Einstieg, Nachmittagsbetreuung 50%.
Das relativiert einiges.
Außerdem kann man ruhig auch die sicher "dringend" notwendige "Sanierung" des Ministerialbüros anführen. Interessant nur, das die Amtsvorgänger Schmieds auch immer ihre Büros sanieren mussten. Naja, wird schon schneller marod werden, so ein Ministerialbüro...Dafür kann man ruhig einige tausend Junglehrer auf die Strasse setzen. Das muß man in einer Demokratie eben hinnehmen...
*sarkastischlachundbösdreinschau*
diewilde, 10. 03. '09 17:52
Also wirklich...
Leute wir durchleben eine WIRTSCHAFTSKRISE und die Prognosen für 2009 sind schlecht, schlecht, schlecht. Hier müssen alle mitanpacken und zu Mehrleistung bereit sein. Das ewige Geraunze hält doch keiner mehr aus.

Wenn 2 Stunden mehr gearbeitet wird, können die Lehrer immer noch froh sein, daß sie 12 Wochen Ferien im Jahr haben....selbst wenn sie irgendetwas in der Zeit vorbereiten, bleibt ihnen mehr Freizeit als jedem Angestellten in der Privatwirtschaft!
sabsi69, 10. 03. '09 21:40
Re: Also wirklich...
Ja, wir haben eine WIRTSCHAFTSKRISE! Und eben deshalb bedeuten 2 Stunden mehr auch österreichweit ca. 4000 arbeitslose Lehrer mehr! Ist es jetzt schon so, dass man mit arbeitslosen Lehrern dann kein Mitleid hat?
Außerdem profitiert kein einziges Kind von diesen Mehrstunden, da sich die Stundenanzahl pro Klasse nicht ändert!
enibas63, 10. 03. '09 21:58
Re: Also wirklich...
Liebe Sabsi69: 4000 ist die Zahl, mit der uns die Frau Minister bedroht hat, wenn wir nicht die 2 Stunden mehr halten. Wenn wirs tun, dann heißt die Zahl eher 10 000.
zweistunden, 10. 03. '09 17:05
2 Stunden für alle
Wenn sich auch die Eltern 2 Stunden pro Woche mehr um IHRE Kindern kümmern- ohne Fernsehapparat und Computer- dann macht das alles wirklich Sinn, sonst nicht. Leider nicht per Stechuhr überprüfbar...
enibas63, 11. 03. '09 06:17
Re: 2 Stunden für alle
Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer vergraben. Der Hintergrund der ganzen Geschichte ist ja eigentlich, dass endlich die Gratis - Nachmittagsbetreuung kommen soll. Und wenn ich mir überleg, dass bei uns an der Schule 50% der Schüler, die die Nachmittagsbetreuung nutzen die Kinder von Hausfrauen sind, da stellts mir eh schon wieder die Haare auf.