2.500 Tote jährlich oder nur "Panikmache"?
Buch über Ärztepfusch sorgt für Aufregung
- Sind unsere Spitäler wirklich schon lebensgefährlich?
- Mediziner empört: Zahlen offenbar nur hochgerechnet
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"Verschlusssache Medizin", das neue Buch von Kurt Langbein, sorgt derzeit im österreichischen Gesundheitssystem gehörig für Wirbel. Die Medizin - "Wie sie uns krank macht, wer davon profitiert und wie Sie das System überleben", lautet der Untertitel. Härtester Angriffspunkt: "In Österreichs Krankenhäusern sterben jährlich 2.500 Menschen an den Folgen von Behandlungsfehlern."
Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten, liegen doch kaum harte Daten aus dem österreichischen Gesundheitswesen zu Zwischenfällen in Spitälern vor. Die zitierten 25.000 "Behandlungsfehler" würden ein Prozent aller Spitalsfälle in Österreich ausmachen. Ob das zutrifft, weiß niemand. Es handelt sich um eine Übertragung von Schätzungen aus dem Ausland auf Österreich.
Kritik am Spitalswesen
Langbein nimmt aber auch das Spitalswesen im Generellen scharf in die Kritik. Es strotzt - in der öffentlichen Gesundheitsdebatte seit Jahren beklagt - vor Kleinkrankenhäusern. Oft werden dort auch komplizierte chirurgische Eingriffe vorgenommen, die dann leichter schiefgehen. Langbein zitiert den Chirurgen Franz Stöger, der sich im Auftrag des Landes Niederösterreich auf Qualitätserhebung begab. Mit niederschmetterndem Ergebnis: Nach einer Schilddrüsenoperation mussten in Österreich im Bundesdurchschnitt sechs Prozent der Patienten auf die Intensivstation. In Niederösterreich waren es im Jahr 2005 sogar 17 Prozent!
Die Conclusio des Chirurgen: In kleinen Spitälern kommt es offenbar häufiger zu Komplikationen als international üblich, weil manche Operationen einfach zu selten durchgeführt würden. Langbein zufolge ergänzen einander hier offenbar Qualitätsmängel und der Drang, nur ja die eigenen Krankenhausbetten voll zu bekommen.
"Alte Zahlen aus dem Ausland"
Patientenanwalt Konrad Brustbauer hielt Langbeins Anklage, dass jährlich in Österreichs Krankenhäusern 2.500 Menschen an den Folgen von Behandlungsfehlern sterben würden, entgegen: "Mit Todesfällen soll man nicht hochrechnen - vor allem nicht mit alten Zahlen aus dem Ausland." Man müsste das hierzulande erheben. Ärztekammer-Präsident Walter Dorner kritisierte das Buch als "billige, sensationslüsterne Panikmache".
(apa/red)
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