Intel tritt kräftig auf das Gaspedal: Chip-
Schmiede steigt in den Handy-Markt ein
- Atom Z500-Prozessor für Einbau in Mobiltelefonen
- Unternehmen will "Nehalem"-Architektur forcieren

Geht es nach dem Halbleiterhersteller Intel, rollt auf den Handymarkt eine Innovationswelle zu: Mit dem Prozessor "Atom Z500" will man den Chip-Markt der Mobiltelefonie gehörig aufmischen. Und Intel will das neue Kleinod sogar noch für weitere Bereiche designen: "Wir wollen mit der CPU den gesamten Embedded-Markt ansprechen", sagt Christian Morales, Intels Europachef, auf der CeBIT. Beispielsweise in Infotainmentsystemen in Autos, in der Unterhaltungselektronik im Wohnzimmer sowie in industriellen elektronischen Produkten , Überwachungskameras oder Geldautomaten soll der neue Chip zum Einsatz kommen.
Im Bereich der Embedded-Systeme sieht das Unternehmen einen enormen Wachstumsmarkt in den kommenden Jahren. Intel geht davon aus, dass es 2015 über 15 Mrd. Geräte geben wird, in denen ein leistungsfähiger Prozessor verbaut sein wird. Diese sollen den elektronischen Geräten eine integrierte Rechenleistung bringen, wodurch sich neue Anwendungsmöglichkeiten erschließen und sie "intelligenter" werden. Mit der nun vorgestellten Spezialvariante des im vergangenen Jahr präsentierten Atom-Chips für Netbooks, löst Intel die Ankündigungen ein, sich künftig im Bereich der eingebetteten Systeme stärker engagieren zu wollen.
"Stärker aus der Rezession hervorgehen"
Ungeachtet der globalen Wirtschaftskrise treibt Intel die Entwicklung der Chip-Technologie generell weiter voran. "Wir wollen stärker aus der Rezession hervorgehen", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Craig Barrett auf der CeBIT. Auch in schlechten Zeiten werde massiv investiert. So steckt Intel in den nächsten zwei Jahren sieben Mrd. Dollar (5,56 Mrd. Euro) in die Modernisierung seiner Werke.
Nächstes Ziel sind Chips, deren kleinste Strukturen nur noch 32 Nanometer messen - das sind 32 Milliardstel Millimeter. Die Leiterbahnen für den Transport von Bits zwischen den mehr als 1,9 Mrd. Transistoren eines Chips sind damit weit kleiner als ein menschliches Haar mit seinen 70.000 Nanometern. Die nächste Chip-Generation mit der "Westmere"-Architektur soll Ende des Jahres auf den Markt kommen.
Zuvor will Intel nach Angaben seines Europa-Chefs Christian Morales die "Nehalem"-Architektur (benannt nach einem Fluss in Oregon) mit ihrer 45-Nanometer-Technologie "in den Mainstream bringen": Was bisher wie der im November 2008 eingeführte Vierkernprozessor Core i7 auf Hochleistungscomputer und Technik-Enthusiasten beschränkt war, soll im zweiten Halbjahr auf alle gängigen Desktop-Computer gebracht werden. Eine Version für Notebooks ist unter dem Codenamen "Clarksfield" für das vierte Quartal dieses Jahres angekündigt. Dabei legt Intel nach Angaben von Morales ebenso viel Wert auf möglichst geringen Strombedarf wie auf die Leistung.
"Wir brauchen alle Prozessorleistung"
Diese kann für bestimmte wissenschaftliche Zwecke gar nicht hoch genug sein. "Wir brauchen alle Prozessorleistung, die wir kriegen können", sagte der Professor für Computergrafik an der Universität des Saarlands, Philipp Slusallek, bei der Präsentation eines neuen Prozessors der Modellreihe Xeon, die für Server entwickelt wurde.
An der Entwicklung der neuen Chip-Technologien wirken zunehmend auch Experten in europäischen Intel-Laboren mit. Morales nannte als Beispiel das Intel-Labor in Braunschweig, wo neue Ideen mit Blick auf neue Produkte entwickelt würden. Neu hinzugekommen ist jetzt ein weiteres Labor in München, das zusammen mit einem Standort in Leixlip in Irland zum "Innovationszentrum von Intel in Europa" werden soll. Die Einrichtung ist als "Open Lab" gedacht, um die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft möglichst eng zu gestalten.
(apa/pte/red)
