Mittwoch, 4. März 2009

"Dringend gesundheitliche Gründe": Post-
Chef Wais tritt völlig überraschend zurück

  • Börse reagiert promt mit einem Kursrückgang
  • Finanzvorstand Rudolf Jettmar übernimmt Posten
    PLUS: Was sagen Sie zu den Sparplänen der Post?

Postchef Anton Wais verlässt überraschend aus gesundheitlichen Gründen das börsenotierte Unternehmen und übergibt seinen Chefsessel vorübergehend Finanzchef Rudolf Jettmar. Wais, noch gestern von der Politik wegen der geplanten Schließung von 293 Postämtern heftig geprügelt, erfuhr zumindest heute von der Börse Genugtuung. Die Postaktie gab Mittwochmittag gegenüber dem Vortag um 6,01 Prozent auf 23,61 Euro nach.

Wais steht seit zehn Jahren an der Spitze des Konzerns und hatte diesen von einem klassischen Staatsbetrieb in ein anerkanntes börsenotiertes Unternehmen umgewandelt und kräftig in Europa expandiert. Gleichzeitig baute er in Österreich Ämter und Personal ab, was ihm jede Menge Ärger vom Betriebsrat bis zum Gemeindebund einbrachte. Zuletzt hatte Verkehrsministerin Doris Bures dezent seinen Job zur Disposition gestellt. Aber von Drohungen ließ sich Wais, der bereits zum Jahreswechsel 2006/2007 krankheitsbedingt teilweise ausgefallen war, nie schrecken.

Seinen Weg fortsetzen
Wais vertraut darauf, dass sein bisheriger Weg fortgesetzt wird. Im Ö1-Mittagsjournal zeigte er sich zuversichtlich, dass das Universaldienstkonzept, das gestern der Öffentlichkeit präsentiert wurde, so umgesetzt werde. Er blicke jedenfalls auf eine erfolgreiche Zeit zurück, es sei ihm gelungen, das Unternehmen von einem politik- zu einem industriell-geführten Logistikkonzern umzuwandeln. Allerdings wurden unter Wais bereits rund 900 Postämter zugesperrt und 600 unkündbare Beamte in ein Jobcenter ausgelagert.

Aber die Geschäftszahlen geben ihm recht: Die Aktie legte vom Ausgabekurs im Mai 2006 von 19 Euro auf zuletzt rund 24 Euro zu. Auch die Dividendenausschüttung kann sich sehen lassen. Samt Sonderdividenden wurden für 2007 2,40 Euro je Aktie ausgeschüttet, die Dividendenrendite betrug 9 Prozent. Die Marktkapitalisierung der Post beträgt derzeit rund 1,8 Mrd. Euro. Gegenüber dem Jahr 2006 stieg der Umsatz 2007 um 579 Mio. Euro auf 2,3 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) legte um 40 Mio. Euro auf 163 Mio. Euro zu.

Kritik statt Dank
Statt Dank erntete Wais für dieses Strategie allerdings Kritik. FPÖ und BZÖ warfen dem kranken Wais sogar vor, zu das sinkende Schiff zu verlassen. Der Bevölkerung ist das Polit-Hick-Hack um die Postämter-Schließungen relativ gleichgültig. 80 Prozent egal, von wem die Post kommt, Hauptsache das Service passt. Entsprechend gering ist die Bereitschaft, für die Erhaltung aller Postämter mehr zu zahlen. Dies lehnen drei von vier Österreichern ab.

Und auch das Image des Postlers hat gelitten: Rund die Hälfte der gut 1.000 Befragten sieht keine besondere Vertrauensstellung des Postboten. Aber immerhin 85 Prozent sind dafür, dass jene Postler, die gehen müssen, im Rahmen großzügiger Sozialpläne abgebaut werden. Für Österreichs teilstaatliche Industrie waren die vergangenen Wochen heftig. Mit Anton Wais (Post), Boris Nemsic (Telekom Austria) und Alfred Ötsch (AUA) haben gleich drei prominente Spitzenmanager quasi über Nacht ihr Unternehmen verlassen. (apa/red)

4.3.2009 15:46
KarlHeinzStrasser, 05. 03. '09 09:41
Auch Postpartner haben Vorteile
Für den Nachfolger wird es auch nicht einfacher, die Linie stimmt, dieses Thema kann man aber den Leuten nicht schonend beibringen, die Leute werden aber merken, die Postpartner haben auch ihre Voteile...