Freitag, 6. März 2009

Jede fünfte Frau ist ein Opfer von Gewalt:
Fühlen sich oft von Justiz im Stich gelassen

  • Gerichtsverfahren werden oft zu früh eingestellt
  • Auch UNO will gegen Gewalt an Frauen mobilisieren

Weltweit ist jede fünfte Frau von einer Vergewaltigung oder Vergewaltigungsversuchen betroffen. In manchen Ländern wird jede dritte Frau geschlagen oder missbraucht. Auch in Österreich ist die Zahl der Gewaltopfer erschreckend hoch. Jede fünfte Frau hat zumindestens einmal in ihrem Leben Gewalt in der Familie erfahren. Viele der Opfer fühlen sich vor allem von der Justiz im Stich gelassen, kritisieren Vertreterinnen von Gewaltschutzzentren anlässlich des Weltfrauentags am kommenden Sonntag.

Gerichtsverfahren gegen gewalttätige Verwandte oder Freunde würden viel zu oft einfach zu früh eingestellt werden, sagten die Opferschützerinnen gegenüber dem ORF. Wurde ein Verfahren einmal eingestellt, sei es fraglich, ob die von der Justiz enttäuschten Frauen noch einmal Anzeige erstatten.

Vorwurf: Mangelhafter Schutz
Mängel gebe es auch beim Schutz von bedrohten Frauen, beklagt sich Barbara Ille, Vize-Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle im ORF-Radio. Bei gefährlicher Drohung würde oft nur Anzeige auf freiem Fuß erstattet. Häufig ziehen die Opfer dann aus Angst ihre Aussagen wieder zurück, so die Opferschützerinnen.

Ban Ki-moon beklagt häufige Straflosigkeit
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon will die internationale Gemeinschaft gegen Gewalt an Frauen mobilisieren. Wir müssen die gewohnheitsmäßige und sozial tief verwurzelte Gewalt beenden, die Leben zerstört, Gesundheit schädigt, Armut verschlimmert und Frauen daran hindert, gleichberechtigt zu sein", mahnte Ban.

Kein Land, keine Kultur, keine Frau egal welchen Alters, sei davon verschont, betonte der UNO-Generalsekretär. Die Konsequenzen von Gewalt säßen tief. "Die Auswirkungen auf Frauen und Mädchen, ihre Familien und die Gesellschaft ist kaum zu kalkulieren", sagte er. Zu oft würden diese Verbrechen nicht geahndet, die Täter liefen frei herum.

Mehrtägige Konferenz geplant
Für eine mehrtägige Konferenz waren Seelsorger aus über 50 Ländern und mehr als 1.000 Vertreter verschiedener Frauengruppen in das Hauptquartier der UNO nach New York gekommen. Sie wollen bis zum 13. März darüber diskutieren, wie sich mehr Frauen und Männer gegen die Gewalt gegen Frauen engagieren können. Am Weltfrauentag selbst sind weltweit Pressekonferenzen, Ausstellungen, Filme und Konzerte geplant. (apa/red)

6.3.2009 15:19