Freitag, 6. März 2009

Abtreibung einer Neunjährigen in Brasilien:
Kirche ratlos im Umgang mit Verbrechen

  • Mädchen lange Jahre von Stiefvater vergewaltigt
  • Bischof wollte eine Abtreibung trotzdem verhindern

Das neunjährige brasilianische Mädchen, das mit Zwillingen schwanger war, wurde nach der Abtreibung doch nicht exkommuniziert. Das neunjährige Mädchen sei durch ein Verbrechen geschwängert worden, hielt Erzbischof Cardoso Sobrinho fest. Trotzdem verurteile die Kirche jede Abtreibung. Der 23-jährige Stiefvater des Mädchens hat gestanden das Kind seit Jahren vergewaltigt zu haben.

Nach Berichten brasilianischer Zeitungen war die Haltung zur Abtreibung innerhalb der Familie unterschiedlich. Das neunjährige Mädchen wollte die Zwillinge behalten und sie gemeinsam mit der 14-jährigen Schwester aufziehen, berichtete die Rechtsanwältin der Erzdiözese Olinda und Recife. Auch der biologische Vater des Mädchens, Erivaldo Francisco dos Santos, war der Meinung, dass die Zwillinge zur Welt kommen sollten.

Bischof trifft Eltern
Erzbischof Cardoso Sobrinho hatte die Eltern noch am Tag vor der Abtreibung besucht und sie eingeladen, für das Lebensrecht der Zwillinge einzutreten. Die Mutter des Mädchens wollte aber mit dem Erzbischof nicht reden. Die Mutter hatte das Mädchen am 25. Februar wegen heftiger Bauchkrämpfe in das Krankenhaus Sao Jose in Recife gebracht.

Von dort wurde die Neunjährige in das "Instituto Materno-Infantil Fernando Figueira" transferiert, wo die Ärzte die Zwillings-Schwangerschaft in der 15. Woche feststellten. Die Ärzte veranlassten die Überführung in die Universitätsklinik, wo die Abtreibung durchgeführt wurde.

Durch Gesetzt gerechtfertigt
Der ärztliche Direktor der Geburtsabteilung, Sergio Cabral, verwies darauf, dass die Abtreibung durch das brasilianische Gesetz gerechtfertigt sei: Demnach ist der Eingriff nach einer Vergewaltigung oder bei Todesgefahr für die Mutter möglich. Beides habe bei der Neunjährigen zugetroffen, die nur 1,33 Meter groß ist und 36 Kilo wiegt und daher "Trägerin einer Risiko-Schwangerschaft" war.
(apa/red)

6.3.2009 08:56