Deutsche Staatsanwaltschaft bestätigt: Williamson droht kein Auslieferungsantrag
- Ermittlungen wegen Volkverhetzung gegen Bischof
- Oberstaatsanwalt: Derzeit droht ihm nur Geldstrafe

·"Williamson ist ein Terrorist und Idiot"
Henckel-Donnersmarck
über den Holocaust-Eklat
Dem Holocaust-Leugner und Traditionalistenbischof Richard Williamson droht voraussichtlich kein Auslieferungsantrag aus Deutschland. Die Regensburger Staatsanwaltschaft dementierte Spekulationen, wonach der britische Bischof der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft für ein Strafverfahren an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert werden soll.
"So wie es im Moment aussieht, ist an eine Auslieferung oder einen Haftbefehl nicht gedacht", sagte der Oberstaatsanwalt. Die Staatsanwaltschaft in der Donaustadt ermittelt gegen Williamson wegen Volksverhetzung. Der Brite hatte vor vier Monaten in einem Priesterseminar der Pius-Brüder nahe Regensburg ein Interview gegeben und dabei die Ermordung von Millionen Juden in den Konzentrationslagern der Nazis verharmlost. Die Untersuchung des Falles ist noch nicht abgeschlossen, die Ermittlungen werden wohl noch Monate dauern.
Verhältnismäßigkeit in Frage gestellt
Die deutsche Justizministerin Brigitte Zypries hatte vor wenigen Tagen erklärt, dass gegen Williamson ein europäischer Haftbefehl ausgestellt werden könnte. Zu konkreten Maßnahmen gegen den Traditionalistenbischof äußerte sie sich aber nicht. Oberstaatsanwalt Zach sagte dazu, denkbar sei bis zum Abschluss der Ermittlungen vieles. Er stellte aber die Verhältnismäßigkeit eines Auslieferungsersuchens infrage. Zum jetzigen Zeitpunkt des Verfahrens droht Williamson nach Angaben von Zach wohl nur eine Geldstrafe in Form eines Strafbefehls.
Williamsons Anwalt hatte angekündigt, gegen eine Auslieferung seines Mandanten mit allen Mitteln vorgehen zu wollen. In Großbritannien ist es - anders als in Deutschland und auch in Österreich - nicht strafbar, die Ermordung von sechs Millionen Juden zu leugnen.
(apa/red)
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