Montag, 2. März 2009

Tibetische Geistliche im Kloster umstellt:
Chinesische Polizisten blockieren Proteste

  • Mönche forderten die Freilassung von Häftlingen
  • Spannungen zwischen Peking und Tibet nehmen zu

Nach einem Protestmarsch sind Dutzende buddhistische Mönche in ihrem Kloster im Südwesten von China laut einer Menschenrechtsgruppe vermutlich von Sicherheitskräften umstellt. Wie die in Washington ansässige Internationale Kampagne für Tibet (ICT) erklärte, wollten die Mönche in Aba in der Provinz Sichuan einen verbotenen traditionellen Feiertag, das Monlam-Fest, begehen. Außerdem hätten sie die Freilassung aller tibetischen Häftlinge gefordert. Ihr Marsch wurde von bewaffneten Sicherheitskräften gestoppt, und die Mönche kehrten ins Sey-Kloster zurück.

Sie würden nun vermutlich faktisch in dem umstellten Gebäude festgehalten, erklärte das ICT unter Berufung auf Augenzeugen. Der Kampagne zufolge beteiligten sich an dem Protest rund 600 Mönche, die Organisation Free Tibet sprach von 50. Die Behörden in Aba erklärten, ihnen sei kein solcher Zwischenfall bekannt.

Knapp ein Jahr nach Unruhen in Tibet gegen die Herrschaft Pekings sind die Spannungen in den von Tibetern bewohnten chinesischen Regionen offenbar deutlich gestiegen. Am 10. März jährt sich der gescheiterte Tibet-Volksaufstand zum 50. Mal. Der Jahrestag war bereits im vergangenen Jahr Anlass für wochenlange Unruhen vor den Olympischen Spielen in Peking. Dabei kamen nach offiziellen chinesischen Angaben 22 Menschen ums Leben. Tibetische Aktivisten schätzen jedoch, dass die Zahl der Todesopfer weit höher - bei über 200 - lag.

Vergangene Woche hatte sich ein Mönch in Aba selbst angezündet. Laut Studenten für ein freies Tibet ereignete sich der Zwischenfall, als Polizisten etwa tausend Mönchen den Zugang zum Kloster Kirti verwehrten. Der Dalai Lama hat wegen des bevorstehenden 50. Jahrestags des Volksaufstands vor einem harschen Vorgehen Chinas gewarnt. Zugleich rief er die Tibeter auf, sich nicht provozieren zu lassen und Ruhe zu bewahren.

Demonstrationsverbot in Kathmandu
Um Proteste tibetischer Flüchtlinge in Nepal zum Jahrestag zu verhindern, hat die Regierung in Kathmandu Demonstrationen nahe der chinesischen Botschaft verboten. Wer sich den Anweisungen in der Hauptstadt widersetze, werde festgenommen, erklärte das Innenministerium des Himalaya-Staates. Vor der Botschaft und dem Büro für die Erteilung von Visa war es im vergangenen Jahr fast täglich zu Demonstrationen gekommen, oft folgten gewalttätige Zusammenstöße mit Sicherheitskräften. An beiden Orten gelte vorsorglich ein Demonstrationsverbot, erklärte das Innenministerium. Wie lang es in Kraft ist, wurde nicht mitgeteilt. In Nepal leben Tausende tibetischer Flüchtlinge.

Der schwer zugängliche buddhistische Klosterstaat Tibet war von 1720 bis 1912 chinesisches Protektorat und nach dem Ende des chinesischen Kaisertums faktisch selbstständig. 1950/51 marschierten chinesische kommunistische Truppen in Tibet ein. 1959 nach der Niederschlagung des Volksaufstands floh das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter, der 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, mit über 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien, wo er heute lebt. Am 1. September 1965 errichtete Peking die "Autonome Region Tibet"; deren Fläche ist wesentlich kleiner als die des alten Tibet, von dem Teile den chinesischen Provinzen Qinghai und Sichuan zugeschlagen wurden. Menschenrechtsorganisationen und der Dalai Lama haben Peking unter anderem Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen, sowie "kulturellen Völkermord" durch die massive Ansiedlung von Han-Chinesen vorgeworfen.
(apa/red)

2.3.2009 08:51