Das Jahrhundertverbrechen des Josef F.: Wie aus dem Lehrling ein Monster wurde
- Lehre als Elektromechaniker: Wissen für Verliesbau
- Kinder mussten auf 18 Quadratmeter aufwachsen

In heimischen Zeitungen wird er "mutmaßlicher Jahrhundertverbrecher" genannt, die britische Yellow Press bietet mittlerweile 10.000 Euro für ein Foto, das ihn im Gefängnis zeigt: Wer ist Josef F., der sich ab 16. März vor einem St. Pöltner Schwurgericht zu verantworten hat, weil er seine eigene Tochter 24 Jahre eingekerkert und regelmäßig missbraucht haben soll?
Josef F. wurde am 9. April 1935 in Amstetten geboren. Er wuchs als Einzelkind auf, besuchte in seiner Heimatstadt die Volks- und Hauptschule und absolvierte danach eine Lehre als Elektromechaniker und Elektrotechniker. Die dabei erworbenen Kenntnisse waren ihm Jahrzehnte später nützlich, als er seinen Keller in ein Verlies umbaute, in dem seine Tochter und drei mit ihr gezeugte Kinder unter unvorstellbaren Bedingungen bis zu ihrer Befreiung im April 2008 ausharren mussten.
Jobverlust
Nach der Gesellenprüfung begann Josef F. als Elektriker bei der Voest zu arbeiten. Abends besuchte er die Werkmeisterschule und einen Vorbereitungskurs für die HTL. Als er seinen Job verlor, erlahmte auch sein Interesse an schulischer Fortbildung.
Mit 34 wurde er Betriebsleiter einer Amstettner Betonfirma, wo er 1971 kündigte, um die österreichische Generalvertretung eines dänischen Betonrohrbau-Unternehmens zu übernehmen. Diese Tätigkeit übte Josef F. bis zu seiner Pensionierung aus.
Einkommen durch Immobilien
Parallel dazu schaffte er sich im Lauf der Zeit mehrere Immobilien an, um mit deren Vermietung ein zusätzliches Einkommen erzielen zu können. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, die er 1956 geheiratet hatte, pachtete er außerdem eine Pension am Mondsee, die die Frau von 1973 bis 1996 sommers betrieb. Außerdem führte die Familie in den Jahren 1993 und 1994 in Pacht ein Gasthaus in Aschbach.
Mit seiner um vier Jahre jüngeren Frau, die zum Zeitpunkt der Verehelichung noch keine 17 Jahre alt war, zog Josef F. sieben Kinder auf. Die Viertgeborene - damals 18 Jahre alt - verschwand am 29. August 1984. Josef F. machte seiner Familie Glauben, das Mädchen hätte sich einer Sekte angeschlossen und sich bewusst aus dem Familienverband verabschiedet. In Wahrheit wurde das Kind laut rechtskräftiger Anklage vom eigenen Vater in den baulich adaptierten, 18,64 Quadratmeter großen Keller verschleppt, wo er im Lauf der Jahre mit ihr sieben weitere Kinder in die Welt setzte. Eines davon starb allerdings kurz nach der Geburt Ende April 1996, weil ihm keine ärztliche Hilfe zuteilwurde.
Verlies nicht verlassen
Drei der im fensterlosen Verlies gezeugten Kinder hatten dieses bis zu ihrer Befreiung kein einziges Mal verlassen. Sie waren zu diesem Zeitpunkt 19, 17 und fünf Jahre alt. Die drei anderen wurden vom Ehepaar F. adoptiert bzw. in Pflege genommen, indem Josef F. vorgab, die angeblich verschwundene Tochter habe diese unbeobachtet in bzw. vor dem Mehrparteienhaus in Amstetten abgelegt und die Großeltern ersucht, sich um die Kleinen zu kümmern. Briefe der Tochter schienen das zu belegen. Diese zu verfassen, dürfte ihr Josef F. mit Nachdruck aufgezwungen haben.
Als Ende April 2008 der Inzest-Fall aufflog, wanderte Josef F. in U-Haft. Seither sitzt er in einer Zelle in der Justizanstalt St. Pölten, wo er als "Musterhäftling" gilt. Von den Mitgefangenen wird er weitgehend abgeschirmt. Regelmäßigen Kontakt pflegt er lediglich mit seinem Anwalt Rudolf Mayer.
(apa/red)
