Mittwoch, 4. März 2009

"Erzählen trotz Todesgefahr": Autor
Salman Rushdie im großen NEWS-Interview

  • Spricht über sein Leben, Politik und neuen Roman
  • Rushdie: "Wir Menschen sind Geschichtenerzähler"

Zwanzig Jahre ist es jetzt her, dass Salman Rushdie, heute 62, von Ayatollah Khomeini mit der Fatwa belegt wurde. Jeder aufrechte Moslem war aufgefordert, den indischen Schriftstseller mit britischem Pass zu ermorden und dafür nebst dem Wohlwollen des Propheten auch drei Millionen Dollar Kopfgeld zu erhalten. Anlass waren angebliche Beleidigungen von Mohammed in dem Buch „Satanische Verse“. Rushdie hielt sich lange in England verborgen. Der damalige Kunstminister Scholten wurde während geheimer Österreich-Aufenthalte ein enger Vertrauter. Ob die Fatwa zurückgenommen wurde, lässt sich nicht belegen, doch Rushdie hat für sich beschlossen, die Bedrohung zu ignorieren. In diesen Tagen erscheint der Roman „Die bezaubernde Florentinerin“.

NEWS: Können Sie sich 20 Jahre nach der Fatwa frei in New York bewegen?
Rushdie: Ach, das (wegwerfende Handbewegung). Ich feiere keine Jubiläen. Der Skandal ist nicht mehr der wie damals. Ja, ich bewege mich als freier Mann in der Welt. Ich reise überallhin, ich gehe in Restaurants.

NEWS: Ist Ihre Beziehung zu Österreich noch so eng?
Rushdie: Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Österreich. Ich wurde mit einigen Preisen ausgezeichnet, was immer schön ist. Rudolf Scholten und seine Frau sind gute Freunde geblieben. Sie haben mich interessanten Menschen wie André Heller and Peter Handke vorgestellt. Elfriede Jelinek traf ich auch einmal. Sie ist eine sehr schöne Frau und eine kraftvolle Schriftstellerin. Wir wissen, dass sie eine komplexe Person ist, die sich nicht wirklich in unserer Gesellschaft wohl fühlt. Als ich sie bei den Scholtens zu einem Dinner traf, war sie allerdings sehr offen und freundlich. Ich glaube, sie ist in einer kleineren Gesellschaft glücklicher als bei großen Empfängen. An diesem Abend war sie zauberhaft.

NEWS: Was sagen Sie zum Rechtsrutsch in Österreich?
Rushdie: André Heller nahm mich mit auf den Heldenplatz, als der 70. Jahrestag von Hitlers Anschlussrede begangen wurde. Ich werde das nie vergessen. Ich wurde auf die Bühne gebeten und durfte zwei Minuten lang sprechen. Es hat geschüttet, als ob sich der Himmel geöffnet und er einen ganzen Schub Neonazis auf den Heldenplatz gespuckt hätte. Und ich dachte, kein Mensch wird bei diesem Wetter kommen. Aber auf einmal strömten Menschenmassen auf den Heldenplatz, und er war absolut voll. Wie damals. So viele junge Leute! Daher möchte ich Ihnen sagen, dass der 30-prozentige Rechtsrutsch in Österreich ganz klar ein Problem darstellt. Aber für jemand Außenstehenden bietet sich noch ein ganz anderes Bild: ein klarer Unterschied zwischen Gut und Böse. Die Guten sind fantastische, ungewöhnlich leidenschaftliche Kämpfer für Demokratie und Gerechtigkeit, denn sie verstehen, dass die Bedrohung echt ist. In Ländern, die eine ultrarechte, reaktionäre Kraft besitzen, ist die Gegenkraft umso organisierter und stärker. Das macht Österreich zu einem sehr interessanten Land. Von außen. Ich glaube, es stellt sich anders dar, wenn man dort lebt.

NEWS: Zu Ihrem Buch. Hat Ihr Held, der sich Niccola Vespucci nennt, nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Ihnen? Er erzählt doch eine Geschichte, die ihn entweder das Leben kostet oder ihn berühmt macht.
Rushdie: Als Person habe ich nichts mit ihm gemeinsam, er ist ein Verbrecher, wahrscheinlich ein Mörder. Aber in ihm schlummert ein Feuer, eine Geschichte trotz Todesgefahr zu erzählen. Das verbindet uns. Wir Menschen sind Geschichtenerzähler. Wir müssen uns mitteilen können, um uns selbst und andere zu verstehen. Ehrlich gesagt, ich wäre lieber Angelica!

Im Interview im NEWS 10/09 erzählt Rushdie ausführlicher über sein neues Buch!

4.3.2009 13:58

Kino

Men in Black 3

Komödie, Science Fiction - USA, 2012

Regie: Barry Sonnenfeld

Mit: Will Smith, Josh Brolin, Tommy Lee Jones, Alice Eve, Emma Thompson

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