Montag, 2. März 2009

Markanter Rechtsruck bei Wahl in Kärnten:
Niemand hat mit solchem Sieg gerechnet

  • Meinungsforscher rätseln über die Hintergründe
  • Faktor Haider wurden von den meisten unterschätzt

Der Super-Wahlsonntag am 1. März hat in Kärnten einen deutlichen Rechtsruck gebracht. Das BZÖ fuhr einen fulminanten Wahlsieg ein, der nicht einmal von den eigenen Leuten erwartet worden war. Auch die seit langem schwächelnde ÖVP hat sich erholt, das Plus von 4,9 Prozentpunkten war der größte Zugewinn bei dieser Wahl. Die SPÖ schlitterte hingegen in ein schweres Debakel.

Es gibt mehrere Gründe für diese überraschenden Resultate, das übrigens kein einziger Meinungsforscher auch nur ansatzweise vorhergesagt hat. Zum Einen wurde der Faktor Jörg Haider offenbar sträflich unterschätzt, und zwar sowohl von den Auguren als auch von der SPÖ. Zum anderen zeigte der unglaubliche Materialeinsatz der Orangen offenbar Wirkung.

Schwaches Profil der SPÖ
Das schwache Profil des SPÖ-Spitzenkandidaten wurde vom BZÖ ausgenützt. Genüsslich wurde bei jeder Wahlveranstaltung getrommelt, dass Rohr ein "ewiger Funktionär" sei, der nie einen richtigen Job gehabt hätte. Rohr hatte dem Trommelfeuer der Orangen ebenso wenig entgegenzusetzen wie dem Faktor Haider. Das allein dürfte es aber nicht gewesen sein. Die Wähler trauten dem SPÖ-Mann offenbar keine Führungskompetenz zu.

Das hat die ÖVP besser hingekriegt. Die Schwarzen stellten ihren Obmann als stabilen Faktor in wirtschaftlichen Krisenzeiten dar und warben unverhohlen um Haider-Wähler. Sie schalteten etwa Testimonials von Kärntnern, die erklärten, beim letzten Mal Haider gewählt zu haben, diesmal aber schwarz zu wählen.

Grünes Debakel
Ziemlich danebengegangen ist die Wahl für die Grünen. In Kärnten ohnehin chronisch schwach, hatten sie vor fünf Jahren erstmals den Einzug in den Landtag geschafft, diesmal wurden sie in dem Duell Orange-Rot einfach zerrieben. Die 4,99 Prozent könnten zwar durch die Wahlkarten noch soweit aufgebessert werden, dass sie im Landesparlament bleiben, doch vom Wahlziel 8,1 Prozent und drei Mandaten sind sie meilenweit entfernt.

Eine herbe Niederlage setzte es für die FPÖ. Die Blauen nahmen enorm viel Geld in die Hand, um im orangen Kernland zu punkten und sich als die wahren Erben Haiders zu positionieren. Dieses Unterfangen ging gründlich daneben. Die Zugkraft von Spitzenkandidat Mario Canori wurde dabei einfach überschätzt.
(apa/red)

2.3.2009 12:51