Das Ende der Alkoholexzesse in Graz:
Stadtrat will jetzt Uni-Viertel 'trockenlegen'
- Anrainer leiden unter Epizentrum der Party-Szene
- Nur Grüne und KPÖ stimmten gegen den Beschluss

Von einem Szenelokal zum anderen ziehen und dazwischen mit Alkohol "auftanken" - ab April ist das im beliebten Grazer "Uni-Viertel" nicht mehr legal. Nach dem Grazer Hauptplatz werden auch die Straßen rund um die Karl-Franzens-Universität "trockengelegt". Das unbefristete Verbot wurde in der Stadtsenatssitzung mit Stimmen der regierenden ÖVP sowie der Oppositionsparteien FPÖ und SPÖ beschlossen. Die Grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker stimmte dagegen.
Das "Uni-Viertel" ist seit Jahren das Epizentrum der Grazer Partyszene - zum Leidwesen der Anrainer. Diese sehen sich ständig nächtlicher Lärmbelästigung und Verschmutzung ausgesetzt. Um die Situation zu verbessern, gilt ab April ein Alkoholverbot im Geviert Glacisstraße, Harrachgasse, Halbärthgasse, Teile der Merangasse und der Elisabethstraße, sowie in der gesamten Beethovenstraße - ausgenommen sind lediglich Schanigärten. Kontrolliert wird das Verbot von der Ordnungswache, die neben der Belehrung nun auch Strafen bis zu 2.000 Euro aussprechen kann. Dies werde aber nur die "letzte Konsequenz" sein, wie das Büro der zuständigen Stadträtin Eva-Maria Fluch betonte.
Keine Zustimmung von Grünen und KPÖ
Unterstützung erhielt Bürgermeister Siegfried Nagl im Stadtsenat von den Oppositionsparteien SPÖ und FPÖ. Nagls Regierungspartner, die Grüne Lisa Rücker, verweigerte ebenso wie KPÖ-Stadträtin Elke Kahr die Zustimmung. Es sei kein weiteres Verbot nötig, so Grünen-Gemeinderat Stefan Schneider gegenüber der APA. Vielmehr solle ein Verhaltenskodex für die Wirte erarbeitet und eine sozialpädagogische Interventionsgruppe nach dem Vorbild mehrerer Schweizer Städte geschaffen werden.
Bereits im November des Vorjahres stimmten die Grünen gegen eine Verlängerung des seit Oktober 2007 bestehenden Alkoholverbots am Hauptplatz. Auch damals unterstützen SPÖ und FPÖ die Bürgermeisterpartei. Das Grundproblem sei nicht gelöst, die Gruppe, auf die das Verbot ziele, hänge nun auf anderen Plätzen herum, begründete Schneider das Stimmverhalten seiner Partei.
Neben Graz ist auch in anderen steirischen Städten und Gemeinden Alkoholkonsum auf bestimmten öffentlichen Plätze und Straßen verboten, darunter Fürstenfeld, Eisenerz, Bruck/Mur und seit kurzem auch Judenburg.
(apa/red)
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