Erste Bank pumpt sich Geld vom Staat: Auch
Manager müssen nun Gürtel enger schnallen
- 2,7 Mrd-Euro-Kredit soll Bank über die Runden helfen
- Im Schlussquartal 2008 Verluste von 603 Mio. Euro
PLUS: Was sagen Sie zum Staatskredit an die Erste?

·Von Dilettanten
und faulen Papieren
NEWS: Fischler alarmiert wegen Welt-Finanzkrise
·Im Banken-Gebälk beginnt es zu krachen
Osteuropa-Geschäfte belasten Österreich
·Dresdner Bank stürzt in tiefrote Zahlen
Verlust von 6,3 Millarden Euro im letzten Jahr
Nach hohen Abschreibungen auf Ostbanken verbuchte die Erste Bank im Schlussquartal 2008 Verluste von 603 Millionen Euro. Abhilfe soll nun ein Kredit von insgesamt 2,7 Mio. Euro schaffen - davon sollen 1,89 Millionen vom Staat kommen. Auch für die Erste-Manager wird es enger: Sie müssen 2008 auf Bonuszahlungen verzichten.
Nach hohen Abschreibungen auf Ostbanken und strukturierte Papiere ist bei der Erste Group 2008 der Konzernnettogewinnn um 26,8 Prozent auf 859,6 Mio. Euro gesunken. Im Schlussquartal 2008 gab es einen Verlust von 603 Mio. Euro. Weil sich in Osteuropa die Lage verschärfte, wurden die Geschäftspläne dort adaptiert und Einsparungen vorgenommen.
2,7 Mrd. Euro
Insgesamt wird die Bank im April 2,7 Mrd. Euro Kernkapital aufnehmen. Bis zu 1,89 Mrd. Euro werden vom Staat kommen, voraussichtlich über Partizipationskapital, für das acht Prozent Zinsen im Jahr bezahlt werden. 30 Prozent der Gesamtsumme will die Erste Group privat aufbringen.
Weniger Geld für Manager
Die Inanspruchnahme von Staatshilfe durch die Erste Group führt auch zu Rückgängen bei den Vorstandsgehältern. Für das Jahr 2008 wird der Vorstand der Holding keine Bonuszahlungen erhalten. Für jedes Jahr, in dem die Bank das Partizipationskapital nicht bedienen könne, müssten die Manager ebenfalls auf ihre Boni verzichten, erläutert Erste-Chef Andreas Treichl.
Neues Gehaltssytem in Arbeit
Derzeit wird bei der Bank ein neues Gehaltssystem erarbeitet, das vermutlich bis 2009 oder 2010 fertig sein wird. "Wenn die Bank weniger verdient, müssen auch die Manager weniger verdienen", betont Treichl. Das betrifft alle Manager konzernweit. Treichl selbst ist für 2008 offenbar auf sein Fixgehalt von 1,2 Mio. Euro zurückgefallen. Für das Jahr 2007 hatte er 4,42 Mio. Euro brutto jährlich bezogen - bestehend aus Grundgehalt und Bonuszahlungen. Zum Vergleich: Das Jahresgehalt des österreichischen Bundeskanzlers liegt bei 286.000 Euro brutto.
Dividendenbeschränkung fehlt
Mit der Inanspruchnahme von Staatshilfe ist bei der Erste Group auch keine Dividendenbeschränkung verbunden. Bei den Grünen löst die Dividendenzahlung der Erste Empörung aus: Dass die Bank für das vergangene Jahr eine Dividende in Höhe von 65 Cent je Aktie ausbezahle, gleichzeitig jedoch Geld vom Bankenhilfspaket in Anspruch nehme, sei "eine unglaubliche Dreistigkeit und Schamlosigkeit", so der Budgetsprecher der Grünen Wien, Martin Margulies.
Während immer mehr Menschen arbeitslos werden oder von Kurzarbeit betroffen sind, werde "aus Steuergeldern der Reichtum der Vermögenden abgesichert", so Margulies am Freitag in einer Aussendung. In Krisenzeiten sei kein Platz für "Steuergeldverschwendung an Aktienbesitzer". (apa/red)

