Donnerstag, 26. Februar 2009

Sozialpartner sind über Einigung erfreut:
Kurzarbeits-Pakt ein "intelligentes Modell"

  • Beschäftigtenzahl soll auf diese Weise stabil bleiben
  • AK-Chef Tumpel fordert rasch Konjunkturprogramm

Die Chefs von Wirtschaftskammer, Gewerkschaft, Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung freuten sich in einer gemeinsamen Pressekonferenz über die heutige Einigung zur Kurzarbeit. Das sei ein "intelligentes österreichisches Modell angesichts dramatischer Entwicklungen", sagte WKÖ-Präsident Christoph Leitl. Trotz aller Probleme solle der Rekordstand von 3,4 Mio. Beschäftigten aus dem Vorjahr heuer gehalten werden.

Die Wirtschaft sei "in den schwersten Turbulenzen seit dem zweiten Weltkrieg". Da sei es das Hauptziel, die Arbeitslosigkeit einzudämmen, so Gewerkschaftschef Erich Foglar. Denn 100.000 Arbeitslose würden 4,7 Mrd. Euro kosten, erinnerte er. Wichtig sei es "rasch zu handeln". Ganz billig ist aber auch Kurzarbeit nicht. Alleine für die im Februar angemeldeten 26.000 Kurzarbeiter sind vom AMS 86 Mio. Euro fällig, so eine Gewerkschaftsberechnung.

Kurzarbeit sei de facto eine Arbeitszeitverkürzung, sagte Foglar. Die alte Forderung der Gewerkschaft sei es gewesen, Arbeitszeitverkürzung nur mit vollem Lohnausgleich zu fordern. Ob das jetzt noch gehe "wird sich weisen", man "muss sich die Situation anschauen". Die Gewerkschaft überlegt auch, das Modell der Solidaritätsprämie, bei dem vier Leute nur mehr 80 Prozent arbeiten, damit ein fünfter, bisher arbeitsloser, neu angestellt werden kann, so anzupassen, dass es zum Erhalt von Arbeitsplätzen genutzt werden kann. Unter Umständen könnte ein Lehrling auf einer solchen Basis aufgenommen werden, sagte Foglar.

Tumpel plädiert für rasche Konjunkturmaßnahmen
Auch AK-Präsident Herbert Tumpel verwies darauf, dass Kurzarbeit ein Beitrag zur Entlastung der Arbeitsmärkte sei. Alle Konjunkturmaßnahmen würden inzwischen zwei Prozent des BIP kosten, sie sollten rasch umgesetzt werden.

Industriellenpräsident Veit Sorger bedankte sich bei der Gewerkschaft für ihre Flexibilität und hob ausdrücklich hervor, dass in begründeten Fällen die Behaltefrist nach Kurzarbeit ausbleiben könne. Foglar bestätigte, man wolle in dieser Frage "sehr pragmatisch" entscheiden. Es könne keinen Katalog an Kriterien für die Behaltefrist geben, man müsse flexibel bleiben. Für Veit Sorger geht es bei der heute Donnerstag beschlossenen Einigung darum, Kurzarbeit attraktiv zu machen, damit auf Kündigungen möglichst verzichtet werden könne. Kurzarbeit sei "kein Geschenk für Unternehmen, sondern die Anerkennung der Tüchtigkeit der Arbeitnehmer".
(apa/red)

26.2.2009 15:42