Tausende Opel-Mitarbeiter demonstrieren: Gegen Kündigungen & für Zukunft ohne GM
- Heftige GM-Kritik von Wirtschaftsminister Guttenberg
- "Arbeiter müssen für Fehlentscheidung Zeche zahlen"

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Mehrere tausend Opel-Mitarbeiter haben im deutschen Rüsselsheim für die Rettung ihres Unternehmens und ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Mit Trillerpfeifen und Trommeln forderten sie bei der zentralen Kundgebung eines europaweiten Aktionstages lautstark den Erhalt der ums Überlebenden kämpfenden Traditionsmarke. "Opel muss bleiben, auch ohne GM", hieß es auf Plakaten, die eine Loslösung von der kriselnden Muttergesellschaft General Motors (GM) forderten.
"Es ist eine Lumperei, wenn Beschäftigte für strategische Fehlentscheidungen und Missmanagement die Zeche zahlen", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber. Die IG Metall hatte sich bereits zu Zugeständnissen bereiterklärt, wenn es um die Rettung der 25.000 Opel-Arbeitsplätze gehe. Huber forderte erneut ein eigenständiges Geschäftsmodell auf europäischer Ebene und öffentliche Finanzmittel. Es könne nicht sein, dass die deutsche Bundesregierung 500 Mrd. Euro an Bürgschaften und mehr als 100 Mrd. an Kapitalspritzen für Banken zur Verfügung stelle, aber für den industriellen Kern, für die Basis des Wohlstandes "keinen müden Cent aufbringen will", sagte Huber.
Produktion wird gestoppt
Im Rahmen des Aktionstags sind an allen europäischen Standorten der GM-Töchter Opel/Vauxhall und Saab Proteste geplant. So wollen die Arbeitnehmer auch in Antwerpen und Saragossa demonstrieren. In den Werken in Großbritannien, Österreich und Ungarn soll die Produktion für eine Stunde gestoppt werden, um Betriebsversammlungen abzuhalten.
Im GM-Motoren-Werk in Wien Aspern nahmen rund 300 Arbeitnehmer an der Informationsveranstaltung teil, so Europa-Betriebsrat Werner Engl. Um Werksschließungen und Kündigungen zu verhindern, soll ein europäisches Rettungskonzept kommen, fordert der Betriebsrat der Österreich-Tochter. Bürgschaften und staatliche Anteilsübernahmen durch die europäischen Regierungen, in denen sich Werke von GM, Opel oder Vauxhall befinden, sollen dazu beitragen, die Arbeitsplätze zu erhalten.
Rettung machbar
Die Saab-Arbeitnehmer im schwedischen Trollhättan wollen am Abend in einer Lichter-Prozession durch die Stadt ziehen. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hält eine Rettung des ums Überleben kämpfenden Autobauers nur im europäischen Maßstab für machbar. "Jeder Alleingang eines einzelnen Standorts wäre zum Scheitern verurteilt", sagt der SPD-Politiker bei der Kundgebung.
Für Freitag wird ein Zukunftskonzept für den Autobauer erwartet, auf Grundlage dessen die deutsche Bundesregierung über die beantragten Staatshilfen entscheiden will. Kreisen zufolge ist der Kapitalbedarf wegen der einbrechenden Autonachfrage in den vergangenen Monaten auf bis zu 3,3 Mrd. Euro gestiegen. In dieser Rechnung ist auch ein Arbeitnehmerbeitrag von 700 Mio. Euro enthalten. Neben einer Beteiligung der Beschäftigten wird auch über einen Beitrag der Opel-Händler zur Rettung des Unternehmens diskutiert.
Heftige GM-Kritik seitens Guttenberg
Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat GM heftig kritisiert. Er warf dem Autobauer vor, zu wenig Informationen über das Zukunftskonzept für Opel zu liefern. Bisher hätten potenzielle Investoren und auch die Bundesregierung nicht einmal ansatzweise eine Ahnung davon, wohin der Konzern überhaupt wolle, kritisierte Guttenberg. Er forderte rasch die Vorlage eines Sanierungsplans, der die nötige konzeptionelle Tiefe aufweise. (apa/red)

