Mittwoch, 25. Februar 2009

Üppige Gehälter trotz geringer Leistung:
Manager-Lohnexzesse dank Kontrollmangel?

  • Gehaltszuwächse häufig in keiner Relation zum Erfolg
  • Studie kritisiert Abhängigkeit der Kontrollgremien

Die rasanten Gehaltszuwächse von Managern sind einer Studie zufolge weniger ein Abbild von Leistung als vielmehr Ergebnis einer mangelhaften Kontrolle. Oftmals sind die massiv gestiegenen Entlohnungen unabhängig vom Erfolg des Unternehmens, wie eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Hochschule Pforzheim und des Tübinger Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) ergab.

Von einem Markt für Manager, in dem Nachfrage und Angebot die Bezahlung regeln, lasse sich nur sehr eingeschränkt sprechen. "Nach den derzeitigen Gehältern zu urteilen, müsste der Manager ein sehr seltenes 'Gut' sein", führen die Autoren der Studie aus.

Sie kritisieren, dass die notwendige Unabhängigkeit kontrollierender Gremien vielfach nicht gegeben sei. Denn die Mitglieder von Aufsichtsräten stammten sehr häufig aus demselben "Pool" wie die zu kontrollierenden Manager.

Nach Angaben der Wissenschaftler begann in den 1990er Jahren ein unverhältnismäßig starker Anstieg der Managergehälter. Ein Topmanager der Deutschen Bank verdiente demnach in den 1970er Jahren noch das 30-fache eines durchschnittlichen Mitarbeiters, im Jahr 2000 war es bereits fast das 300-fache.

Globale Gehaltsspirale
"Der Vergleich mit anderen global agierenden Unternehmen initiierte eine Gehaltsspirale, die immer weiter nach oben kletterte", erläutern die Autoren. Dabei habe allerdings keine Rolle gespielt, dass in den deutschen Top-Unternehmen kaum ausländische Spitzenkräfte vertreten waren. So seien im Jahr 2005 nur neun Prozent der Vorstandsposten in den führenden 100 deutschen Unternehmen mit ausländischen Managern besetzt gewesen, vor allem Österreicher und Schweizer. Die gesetzliche Verpflichtung zur Offenlegung der Bezahlung habe die Gehaltsspirale nicht gebremst, sondern noch gesteigert.

Die Untersuchung ergab ferner, dass die Schicht der Manager wenig durchlässig sei. Die Besetzung von Spitzenpositionen sei immer noch stark herkunftsabhängig. 80 bis 90 Prozent der Topmanager hätten einen Hochschulabschluss, Nachkommen aus großbürgerlichen Schichten deutlich bessere Chancen als Kinder aus der Arbeiterklasse.

Die Studie entstand im Auftrag des deutschen Bundesarbeitsministeriums im Rahmen des Armuts- und Reichtumsberichtes.
(apa/red)

25.2.2009 15:44