Samstag, 28. Februar 2009

Windtner übernimmt offiziell Amt & Würden:
Oberösterreicher ist neuer ÖFB-Präsident

  • 58-Jähriger wurde per Akklamation zu Verbandschef
  • Starke Kritik an Nationalteam und Teamchef Brückner

Der neue Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes heißt seit Samstag offiziell Leo Windtner. Der Oberösterreicher wurde auf der außerordentlichen Bundeshauptversammlung im Wiener Hotel Intercontinental per Akklamation zum neuen Verbandschef gewählt. In seiner Antrittsrede vor den Delegierten und der anschließenden Pressekonferenz beschwor der 58-Jährige die Einheit im österreichischen Fußball und sparte nicht mit deutlicher Kritik an der Nationalmannschaft und auch an Teamchef Karel Brückner.

Eine baldige Ablöse des Tschechen scheint nach den Worten von Windtner, der mit Brückner in den kommenden Tagen eine Unterredung führen wird, durchaus möglich. "Grundsätzlich ist klargestellt, dass er das Rumänien-Match am 1. April macht. Aber ich kann dem Gespräch nicht vorgreifen", meinte der neue ÖFB-Boss, dem ein erstes Treffen mit dem Teamchef wenige Stunden vor dem Schweden-Spiel (auch Kapitän Andreas Ivanschitz nahm an dem Gespräch teil) wenig überzeugte. "Da war ich spontan überrascht von der Unsicherheit dieser beiden Leute."

"Brauchen im A-Team einen Neustart"
Windtner bezeichnete Brückner als "soliden Menschen und absoluten Fachmann. Er hat es sich verdient, dass man sich zusammensetzt und alle Dinge durchspricht". Während die Tage des Tschechen gezählt sein könnten, blieb auch die Mannschaft von einem präsidialen Rüffel nicht verschont. "Wir brauchen im A-Team einen mentalen und emotionalen Neustart. Wir laufen nicht mit der breiten Brust ein, die den Adler in voller Breite zeigt. Wir müssen ein Team um das Team bauen, das eine neue emotionale Basis bringt", erklärte der Oberösterreicher, der die Partie gegen die Rumänen als "Chance für den Turnaround" sieht. "Das ist sicher ein Schlüsselspiel für die nächsten eineinhalb Jahre."

Deutliche Anzeichen einer Trendwende vermag Windtner ("Die Mannschaft schlägt sich derzeit deutlich unter ihrem Wert") jedoch nicht zu erkennen. Vielmehr trete das Team nicht als Einheit auf, sondern erwecke den Eindruck, als bewegten sich elf Individualisten auf dem Platz, bemängelte der Chef der Energie AG Oberösterreich. "Wenn wesentliche Elemente für das Teambuilding fehlen, muss man sich das anschauen."

Kooperation mit Liga "wesentlicher Angelpunkt"
An die Bundesliga richtete Windtner den Wunsch nach Kooperation. "Es ist sehr wichtig, dass jene Geschlossenheit von allen an den Tag gelegt wird, die der österreichische Fußball jetzt braucht." Zwischen ÖFB und Liga gebe es viele Schnittstellen, "und da müssen wir schauen, dass wir Nähte hinbekommen. Wir sind keine Patchwork-Familie, sondern ein Gemeinschafts-Unternehmen ohne Filialen", sagte Windtner und nannte die Kooperation mit der Liga als "wesentlichen Angelpunkt".

Das Gelingen der Zusammenarbeit liegt Windtner nach eigenen Angaben ebenso am Herzen wie das Kreieren einer neuen Aufbruchsstimmung innerhalb des ÖFB. "Wenn ich mir eine Eigenschaft anmaße, dann diese, dass ich Menschen mit gleichen Idealen auf ein gemeinsames Ziel einschwören kann."

Für seine Präsidentschaft nannte Windtner keine konkreten sportlichen Zielvorgaben. "Es gibt keine Garantie für Ergebnisse, aber um im Fußball zu bleiben: Es gibt die Garantie für Spielwitz und absoluten Einsatz", versprach der Oberösterreicher, dessen Amtszeit bis zur nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Juni 2010 läuft.

Strukturreform gegen Niederösterreich beschlossen
Neben der von Standing Ovations begleiteten Wahl von Windtner wurde auch die Strukturreform beschlossen - allerdings gegen den Willen des niederösterreichischen Verbandes, der unter anderem aufgrund der geänderten Stimmgewichtung und des damit verbundenen Einflussverlustes dagegen votierte, wodurch die Adaptierungen offiziell mit 84,19 Prozent angenommen wurden. Weiters bekam Ex-ÖFB-Chef Friedrich Stickler die Ehrenpräsidentschaft verliehen. (apa/red)

28.2.2009 14:02