Neuer ÖFB-Boss Windtner im NEWS-Talk:
"Der Teamchef ist und bleibt Chefsache"
- "Können Baustellen nicht auf Knopfdruck sanieren"
- Bundesliga-Format: Zehner-Liga bald Vergangenheit?

·Trainer setzen ihr Vertrauen in Windtner
Neuer ÖFB-Präsident laut Umfrage eine gute Wahl
·Coaches üben leise Kritik am Teamchef
Bundesligatrainer haben Tipps für Karel Brückner
Am 28. Februar ist es soweit: Leo Windtner wird im Wiener Hotel Intercontinental als Nachfolger von Friedrich Stickler zum neuen ÖFB-Präsidenten gewählt. Als einer der erfolgreichsten Topmanager Österreichs soll er dann den heimischen Fußball aus der tiefen Krise wieder in lichte internationale Höhen führen. Eine Mission impossible? Nix da, sagt der langjährige Mittelfeld-Abräumer bei Union St. Florian. Sein Erfolgsnachweis: Als ÖFB-Vizepräsident hat er schon bisher den Nachwuchsbetrieb erfolgreich auf Vordermann gebracht. Am Montag nach der Wahl, Punkt 9 Uhr früh, gibts im Ernst-Happel-Stadion die erste Befehlsausgabe: Man erwartet von mir, dass ich im ÖFB einiges umdrehe.
NEWS: Die Nationalmannschaft rangiert um Platz 100 der Weltrangliste, die Bundesligaklubs haben im Europacup so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr abgeschnitten. Warum tun Sie sich in dieser Situation den Job des ÖFB-Präsidenten an?
Leo Windtner: In erster Linie, weil ich ein Herz für den Fußball habe und fest daran glaube, etwas zum Besseren bewegen zu können. Tatsache ist, dass wir im österreichischen Fußball viele Baustellen haben und diese auch nicht auf Knopfdruck sanieren können. Wir brauchen viele kleine und große Maßnahmen, einschließlich einer klaren Strukturreform. Damit wollen wir das Gesamtunternehmen Fußball Österreich wieder in eine erfolgreichere Spur führen.
NEWS: Wie lange bleibt Karel Brückner noch Teamchef?
Windtner: Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien im April ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Danach wissen wir, ob wenigstens noch rechnerisch Chancen für eine Endrundenteilnahme bestehen. Aber eines ist klar, man wird dem Team vor dem Rumänien-Spiel dringend die alte Fußballerweisheit in Erinnerung rufen müssen, dass man nur einen Brief aufgibt.
NEWS: Wer soll in Zukunft den Teamchef aussuchen? Eine Taskforce aus Experten?
Windtner: Das ist und bleibt Sache des Präsidenten, der Teamchef ist Chefsache. Als Präsident musst du ja auch deinen Kopf dafür hinhalten. Ich werde aber jene Experten nicht links liegen lassen, die dem österreichischen Fußball und dem ÖFB konstruktiv gegenüberstehen und helfen wollen. Allerdings ist dieser Kreis in Österreich durchaus überschaubar.
NEWS: Stört Sie die weitgehende Absenz Brückners auf den Fußballplätzen?
Windtner: Es ist sicher keine glückliche Handhabung, im Fußball zu sehr auf Telearbeit zu setzen. Es geht auch um die regelmäßige Kommunikation mit den Klubtrainern; auch die Vereinspräsidenten wünschen sich, dass ein Teamchef öfter in ihren Stadien aufkreuzt, sich authentisch informiert. Ein Teamchef sollte ja so etwas wie die Galionsfigur für alle ÖFB-Auswahlen sein. Da besteht Verbesserungsbedarf.
NEWS: Klingt alles nach einer baldigen Ablöse des Teamchefs.
Windtner: Ich stehe für Kontinuität, aber wenn Handlungsbedarf besteht, dann treffe ich Entscheidungen binnen einer Stunde, wenns sein muss zwischen elf Uhr und Mittag. Ich stamme aus einfachen Verhältnissen und weiß daher gut zu wirtschaften, bin aber kein Peanuts-Zähler. Wenn Maßnahmen zu setzen sind, dann darf das nicht vorweg am Finanziellen scheitern.
NEWS: Wie ist Ihr Verhältnis zur Fußball-Bundesliga?
Windtner: Ich will, dass wir in Zukunft alle an einem Strang ziehen und uns als ein Unternehmen Fußball verstehen. Mich stören Divergenzen zwischen Bundesliga und ÖFB. Das zerschleißt nur die Kräfte. Wir brauchen daher mehr Synchronisation.
NEWS: Trotz zahlreicher Einwände wird die zweite Spielklasse demnächst wieder auf zehn Klubs reduziert ein gemeinsamer Beschluss von ÖFB und Bundesliga.
Windtner: Wir haben gemeinsam eine Zukunftswerkstatt installiert, in der wir ohne Tabus noch einmal über das richtige Format für den österreichischen Spitzenfußball diskutieren sollten. Ich möchte in dieser zentralen Frage nicht vorgreifen, aber es gibt offensichtlich auch innerhalb der Bundesliga kritische Stimmen zu den bestehenden Formaten.
NEWS: Ist Österreich groß genug für zwei Profiligen?
Windtner: Ich bin dafür, dass wir uns an erfolgreichen Beispielen im Ausland orientieren, ohne dass man alles 1:1 kopiert. Es gibt viele Länder unserer Größenordnung, die international erfolgreich sind, aber komplett andere Formate in der höchsten Spielklasse haben. Ein entscheidender Punkt dabei ist aber sicher die Beantwortung der Frage: Wie viele Profiklubs verträgt der Wirtschaftsstandort Österreich? Daraus leitet sich letztlich auch das Format für die Ligen ab.
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