Sonntag, 1. März 2009

"Mit dem Skispringen bin ich glücklich":
Toni Innauer bilanziert zur Nordischen WM

  • Formverlust der Kombinierer zum falschen Zeitpunkt
  • Kritik an falscher Zuschauerpolitik der Veranstalter

Drei Medaillen hatte er gefordert, drei hat er bekommen, insgeheim hat Toni Innauer aber wohl doch auf mehr gehofft. Der Nordische Direktor im ÖSV für Skispringen und Kombination bilanziert die 47. Nordischen Weltmeisterschaften deshalb auch mit gemischen Gefühlen. Mit dem Skispringen ist er zufrieden, auch wenn sogar noch mehr möglich gewesen wäre, bei den Kombinierern wurde das angestrebte Ziel einer Medaille verfehlt. Und den Veranstaltern stellt er vor allem in Sachen Zuschauerpolitik kein gutes Zeugnis aus.

"Mit dem Skispringen bin ich glücklich, weil ich ja schon viele Weltmeisterschaften gesehen habe und weiß, dass es nicht immer programmgemäß abläuft. Wenn wir drei Medaillen machen, davon zwei Goldene, dann ist das großartig", meinte Innauer im Rahmen der zweiten Weltmeisterschaftsfeier im Österreicher-Hotel in Jablonec. Wie schon am ersten Samstag der WM wurde wieder ein Fass Bier angeschlagen. "Die (Mannschafts-)Goldene ist noch viel mehr wert, dadurch, dass es am Freitag nicht wunschgemäß gelaufen ist. Wir haben durch die Absage des zweiten Durchgangs nicht wirklich die Chance gehabt, die Stärke auf der Schanze auszuspielen", wurmte den 50-Jährigen der Ausgang des Großschanzen-Bewerbs noch ein wenig.

"Die nicht gelungene Medaille im Damen-Springen tut mir ganz weh", sagte Innauer. In keinem Bewerb hätte der ÖSV einen so haushohen Favoriten bzw. eine Favoritin gehabt wie Daniela Iraschko. "Sie ist im Training wirklich überlegen gesprungen und auch umständehalber auf den vierten Platz gekommen."

Formverlust zum falschen Zeitpunkt
Die Nordischen Kombinierer blieben wie schon 2007 in Sapporo neuerlich ohne Edelmetall. Damit kann man freilich nicht zufrieden sein. "Das Ziel war eine Medaille, das haben wir nicht erreicht. Wenn man ganz ehrlich ist, waren wir deutlich weg davon. Das gibt Grund darüber nachzudenken und in Ruhe zu betrachten." Schon jetzt wisse man, dass es mit dem Massenstart natürlich sehr schlecht losgegangen war. "Da haben wir uns sofort ein gröberes Materialproblem eingehandelt und dann geht die Geschichte in die falsche Richtung." Danach sei mit Lukas Klapfer ein "ganz wichtiger Athlet" krank ausgefallen. "Damit waren wir für die Mannschafts-Konkurrenz auch stark geschwächt."

Neben all diesen Entwicklungen müsse man aber auch feststellen, dass die anwesenden Athleten einen Formverlust gehabt haben. "Oder sich einfach auf diese speziellen Verhältnisse hier nicht umgestellt haben." Über das Warum und Wieso wird in den nächsten Wochen noch ausreichend nachgedacht werden.

Schlechtes Wetter und falsche Zuschauerpolitik
Der Gesamteindruck dieser Weltmeisterschaften, bei denen es fast alle Wettererscheinungen gegeben hat - Wind, Schnee, Regen, Nebel - nur keine Sonne? "Das ganz schlechte Wetter ist Pech. Man braucht halt irgendwann Sonnenschein, darauf ist der Mensch codiert. Ich glaube nicht, dass das der Durchschnitt in Liberec ist."

Einen Vorwurf hatte der gebürtige Vorarlberger und Olympiasieger 1980 den Organisatoren aber schon zu machen. Man habe gewusst, dass es schwierig werden würde, auch von den sportlichen Rahmenbedingungen her. "Enttäuscht war ich darüber, dass die Zuschauerpolitik meines Erachtens völlig verfehlt war. Bei einer Weltmeisterschaft sollten einfach Tausende von Leuten da sein und da hat man eine Hochpreispolitik gefahren, die selbst bei uns in Österreich keine Chance auf Erfolg hätte." (apa/red)

1.3.2009 13:36