Bruchlandung für die ÖSV-Kombinierer:
Vier Medaillenchancen in Liberec ungenutzt
- Sechster Platz für Gruber blieb "bestes" Ergebnis
- Vorerst noch keine Trainerdiskussion für Toni Innauer
·WM-Gold für Demong
in Einzel-Kombination
Bester ÖSV-Athlet wurde Gruber auf elftem Platz
·Japaner überraschen
mit Kombi-Staffel-Gold
ÖSV-Kombinierer fallen auf Platz fünf zurück

Erstmals vier Chancen auf Edelmetall und doch keine genutzt. Die Nordischen Kombinierer des ÖSV haben bei der Nordischen Ski-WM in Liberec eine Bruchlandung hingelegt, trotz Erweiterung des WM-Programms um den Massenstart-Bewerb gingen die Schützlinge von Cheftrainer Alexander Diess wie schon in Sapporo 2007 leer aus. Ein sechster Platz durch Christoph Bieler war das beste Resultat, über die Gründe der Schwächen vor allem auf der Schanze herrschte Rätselraten.
Man könnte viele Argumente als Entschuldigung anführen, denn im WM-Winter und in der Vorbereitung gab es fast keinen Athleten, der vor Problemen verschont geblieben wäre. Bieler wurde während der Saison von einer langwierigen Erkrankung gebremst, Mario Stecher verlor zwei Monate der Vorbereitung wegen einer Knieverletzung, Bernhard Gruber erlitt vor Saisonbeginn eine Schulterverletzung, Lukas Klapfer erkrankte schon im ersten Bewerb der WM. Doch bei den Titelkämpfen werden alle an Medaillen gemessen und da suchten die Athleten auch nicht nach Ausreden. Fest steht, dass von der früheren Überlegenheit im Springen in Liberec nichts mehr zu merken war.
Späte Selbstkritik
Mit seiner Bemerkung "zu kurz gesprungen und zu lang gelaufen" traf Stecher ins Schwarze, aber der Team-Olympiasieger suchte auch tiefer liegende Gründe. "Mich wundert's selbst. Bis zwei Wochen vor der WM ist es im Springen sehr gut gegangen und jetzt nicht mehr. Vielleicht sind wir zu viel auf der kleinen Schanze gesprungen, auf der großen hat es uns hier schneidig erwischt." Man müsse genau analysieren und "etwas anders machen in der Vorbereitung auf das nächsten Großereignis 2010." Da warten die Olympischen Spiele in Vancouver.
Bieler, der schon Olympiasieger und Weltmeister mit dem Team war, vermochte sein großes Potenzial auf der Schanze, das ihm den nötigen Vorsprung für einen Medaillenkampf geliefert hätte, nie auszuspielen. "Ich habe es hier nicht laufen lassen können, ich bin nicht nach Gefühl gesprungen, sondern wie ein 70 Kilo schweres Brett", übte der 31-Jährige Selbstkritik. Nun müsse man analysieren, wo die Fehler liegen. "Denn die Uhr tickt für Vancouver, da sind wir mit dem Team Titelverteidiger."
Vorerst keine Trainerdiskussion
Coach Diess steht jedenfalls unter Druck. Eine Trainerdiskussion wollte Sportdirektor Toni Innauer während der WM nicht aufkommen lassen. "Wir lassen den letzten Bewerb vorübergehen und werden dann nüchtern und fair analysieren", kündigte er an. Diess musste Schwächen im Springen eingestehen. "Leider haben wir da nicht das gebracht, was wir uns erhofft haben. Das ist eine sehr bittere Niederlage für uns, wir sind sehr enttäuscht", erklärte der Oberösterreicher.
Man sei von Anfang an nicht in den WM-Rhythmus gekommen, dann habe sich die Negativ-Spirale zu drehen begonnen." Er glaube nicht, dass die Vorbereitung falsch gelaufen sei, erklärte Diess. "Wir sind mit großen Hoffnungen hergefahren, konnten aber nie das ausspielen, was wir draufhaben. Dann schaut man bei der großen Dichte gleich sehr alt aus." (apa/red)
